Läuse im Essen und Schuppen im Lippenstift?

Meine Kleine geht das 2te Jahr in den Kindergarten. Sie ist in ihrer Gruppe in einem Freundesgrüppchen integriert, das aus 6 Mädchen und einem Buben besteht. Es macht wohl die Struktur dieser Gruppe aus, dass sich besonders unter den Mädchen dieser Truppe ein ziemliches Konkurrenzdenken entwickelt hat. Meine Kleine will phasenweise nur mit Kleidern in den Kindergarten, eine Zeit lang zog sie sich in der Gruppe immer sofort um und schlüpfte in ein Prinzessinnenkleid samt Krönchen, Handschuhen und Täschchen. Sogar Lippenstift-tragen war schon (Streit-) Thema zwischen uns, und nun freut sie sich darauf, wenn sie endlich zwölf wird und Lippenstift tragen darf- so es ihre Lehrer/innen erlauben.

Besonders haben es ihr uch glitzerne Lippgloss und Nagellack angetan. Obwohl sie nicht sehr erfreut war, als ich ihr verriet wer oder was den schimmernden Lippgloss so schimmernd macht. Wissen Sie es?

Es ist Flüssigkeit, die aus Heringschuppen hergestellt wird und im 17. Jahrhundert von einem Franzosen entdeckt wurde. Hering sei dank also, dass wir heute schimmernden Lipgloss tragen können.

Auch zum Färben von Lebensmitteln werden zum Teil Naturprodukte verwendet. Fein, wenn der Hersteller Farbstoffe aus roter Beete oder Carotin wählt. Diese Farbstoffe sind garantiert ungefährlich und sogar gesund. Weniger gut, wenn er der Hersteller für Rot die Farbe der roten Schildläuse wählt (Cochenile); diese Farbe ist auch als E120 bekannt und kann gesundheitsschädigend oder sogar allergieauslösend wirken.
Noch schlimmer, wenn die Produkte mit küstlichen, aus Erdöl hergestellten Produkten gefärbt werden. Hier eine Übersicht von Thomas Seilnacht über die verschidenen Farbstoffe in Lebensmitteln:

E-Nummer Name Farbe Gewinnung Toxikologie
E 100 aus Kurkumin orangegelb Gelbwurz —
E 101 Lactoflavin gelb künstlich —
E 102 Tartrazin zitronengelb künstlich stark allergieauslösend (Asthma, Nesselsucht)
E 104 Chinolingelb gelb künstlich allergieauslösend
E 110 Gelborange S gelborange künstlich allergieauslösend
E 120 Cochenille rosarot Schildläuse allergieauslösend
E 122 Azorubin rot künstlich allergieauslösend
E 123 Amaranth kirschrot künstlich allergieauslösend
E 124 Cochenillerot A rosarot künstlich allergieauslösend
E 127 Erythrosin rosa künstlich allergieauslösend, evt. Missbildungen (Schwangerschaft), evt. krebserregend
E 131 Patentblau V türkisblau künstlich —
E 132 Indigotin blau künstlich —
E 140 Chlorophyll grün Brennnesseln —
E 141 Cu-Verbindung des Chlorophylls grün Chlorophyll —
E 142 Brillantsäuregrün blau-grün künstlich evt. Missbildungen bei Schwangerschaft
E 150 Zuckerkulör braun aus Zucker —
E 151 Brillantschwarz schwarz, künstlich, allergieauslösend
E 153 Kohlenschwarz schwarz aus Holzkohle evt. krebserregend
E 160 a – f Carotine orange-gelb Karotten —
E 160 b Bixin, Norbixin orange Pflanzensamen allergieauslösend
E 161 a-g Xanthophylle orange-gelb aus Blüten —
E 162 Betanin rot Rote Beete —
E 163 Anthocyane rot-lila-blau Rotkohl, -wein —
E 170 Calciumcarbonat grauweiß Kalk, Kreide —
E 171 Titandioxid weiß Mineralien —
E 172 Eisenoxide rot, schwarz Mineralien —
E 173 Aluminium silbern Erze, Metalle —
E 174 Silber silbern Erze, Metalle —
E 175 Gold golden Erze, Metalle —
E 180 Rubinpigment rot künstlich —

Ich frage mich, wenn ich mir die Liste ansehe, warum so gedankenlos in so vielen Produkten Lebensmittelzusatzstoffe eingesetzt werden. In Fleischwaren wie Wurst, im Joghurt, in der Margarine und natürlich in den Süßwaren, die lustig bunt leuchten müssen, um Kinder anzulocken.

Thomas Seilnacht beschreibt auch die Eigenschaften ausgewählter Lebensmittelzusatzstoffe, auch die will ich ihnen nicht vorenthalten:

E 102 (Tartrazin):

Der künstliche Farbstoff Tartrazin (aus Erdölprodukten gewonnen) wird sehr häufig in Lebensmitteln verwendet. Bereits wenige Milligramm des Farbstoffes reichen aus, um Nesselsucht oder Asthma auszulösen. Die Nesselsucht äußert sich in stark juckenden Hautquaddeln, das Asthma kann lebensbedrohlich werden. In Deutschland erkranken jährlich etwa 13000 Personen an einer Nesselsucht, welche durch Lebensmittelzusatzstoffe ausgelöst wurde.

E 120 (Cochenille) und E 124 (Cochenillerot A):

Cochenille (E 120) wird aus der Cochenillelaus (Schildläuse) gewonnen. Die Schildläuse werden getrocknet, 1 kg Schildläuse ergeben etwa 50 g Farbstoff. Heute wird der Farbstoff der Cochenilleläuse oft künstlich hergestellt (E 124). Der Farbstoff wirkt wie viele andere Farbstoffe allergieauslösend (Näheres siehe bei E 102).

E 127 (Erythrosin):

Im Bakterienversuch hat dieser Farbstoff sich als erbgutschädigend erwiesen. Daher besteht der Verdacht, dass die Einnahme des Farbstoffes zu Missbildungen während der Schwangerschaft führt. Außerdem kann der Farbstoff eine Fotosensibilisierung auslösen. Nach der Einnahme können sich in Verbindung mit Sonnenstrahlen Ekzeme, Hautschwellungen und entzündliche Rötungen auf der Haut bilden. Der Farbstoff stand auch im Verdacht, krebserregend oder sogar nervenschädigend zu sein. Trotzdem ist er als Lebensmittelfarbstoff zugelassen.

Ich frage mich, wie die Politik, wie Gesundheitsbehörden diese Inhaltsstoffe weiterhin zulassen können. Und ich frage mich auch, wieso so viele Konsumment/innen nach wie vor nach Produkten mit vielen Zusatzstoffen kaufen. ABer vielleicht sind viele menschen nicht genug informiert, und vielleicht sind es mal wieder die schleechter verdienenden Gruppen und auch die weniger gut gebildeten Gruppen die zu diesen „behandelten“, oft billigen Lebensmittel greifen.

Und leider sind es besonders die Kinder, für die es sich am ungünstigsten auswirkt.

  • Weil sie leichter sind, als der Norm-Mensch (ein 70kg schwerer „Durchnittsmann“) auf den die Höchstwerte an Belastungen, Pestiziden unsw. zugeschnitten sind
  • weil sie noch im Wachstum stehen und daher noch emfindlicher sind als Erwachsene
  • Weil sie es sind, die von grellbunten Farbstoffen angelockt werden und Erwachsenen oft zum Konsum überreden.

Ich hoffe, ich habe Ihnen heute den Appetit nicht verdorben und wünsche Ihnen daher ein gesundes, vitaminreiches Essen ohne Lebensmittelzusatzstofen samt leckerer Nachspeise. Mahlzeit!

Gummibären

2 Kommentare

  • Im allgemeinen wird so getan, als könnten wir durch Kaufentscheidung gesunde Produkte auswählen und fördern.
    Es sind jedoch die Industrie und die Konzerne, die entscheiden was wir zu uns nehmen.

    DIE GESETZE MÜSSEN GEÄNDERT WERDEN!!
    VOLKSGESETZGEBUNG FORDERN UND DURCHSETZEN!!

  • hallo Elfriede,

    du hast es auf den punkt gebracht.
    nur wird das so schnell wohl nicht passieren…

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