Von Pedalrittern und Asphaltcowboys

Warum ich Tankstellen mag? Obwohl ich stolze nicht-Autobesitzerin bin? Obwohl ich den Geruch von Diesel und Benzin nicht mag?
Ganz einfach! Auf Tankstellen kann man auch Luft tanken. Für die Fahrradreifen. Und das ganz kostenlos.

Gestern stattete ich also meiner „Stamm-Tankstelle“ wieder mal einen Besuch ab, dann holte ich mit prallen Reifen meinen Großen vom Hort ab. Wir planten eine Fahrt zum Eybl in der Mariahilferstrasse, um dort unsere Räder für einen dringend nötigen Service abzugeben.

Bevor die Kinder zur Welt kamen düste ich in Wien nur mit dem Fahhrad herum. Egal ob in die Arbeit oder auf die Uni, ich fuhr immer mit meinem Drahtesel vor.

Natürlich diente mir das Rad auch in der Freizeit als Fortbewegungsmittel: ob Studentenfest oder zum Fortgehen, auf Mountainbiketouren im Wienerwald oder Tagestouren entlang der Donau nach Bratislava oder Zwentendorf. Selbst als Urlaubsvehikel bewährte sich das Bike: Wien-Linz; Wien -Wien-Bregenz; Wien-Rom? Kein Problem!

Ich trotzte jeder Witterung und -wohl gerade deswegen-strotzte ich nur so vor Gesundheit. Und die manchmal heiklen fast-Zusammenstöße mit motorisierten Verkehrsteilnehmer/innen gingen zum Glück alle gut aus.

Ich fuhr noch mit dem Fahrrad zur Uni, als ich hochschwanger war. Erst als mein Bauch so dick war, dass ich beim bergauf fahren mit den Knien am Bauch anstieß, stieg ich auf die Öffis um.

Mein Großer ist ein versierter Radler. Wie auch die Kleine fährt er ohne Stützen, seit er 3 Jahre alt ist. So hatte ich keine Bedenken mit ihm- ja eh am Radweg- den Gürtel entlang von Floridsdorf nach Mariahilf zu fahren, rund 10km.

Ich habe den Weg als ungefährlich in Erinnerung, nur sah ich ihn-kinderlos- noch mit anderen Augen.
Jetzt, mit Sohnemann im Schlepptau erkannte ich die vielen Gefahren, die entlang des Radweges warten. Unübersichtliche Straßenbahn-Kreuzungen, Straßenquerungen mit kurzen Grün-Passagen oder ampellos, schmale Radwege usw.

Als meine Kinder sehr klein waren und noch im Wagerl saßen oder lagen, wurde ich mir der behinderten-Unfreundlichkeit der öffentlichen Anlagen, Geschäfte usw. bewußt. Wenn man auf einen Lift angewiesen ist, hat man es oft nicht leicht und muss mitunter große Umwege in kauf nehmen. Mit dem Kinderwagerl hat man es ja noch gut. Notfalls holpert man mit dem Kinderwagen eine Treppe rauf oder runter oder nimmt die Rolltreppe, so man sich traut, aber mit dem Rollstuhl oder schwer gehbehindert?
Nun ja, die Situation wird besser, wie mir auch Rollstuhlfahrer/innen bestätigten. Dennoch erkennt man Problemsituationen oft erst, wenn man selber  in der Situation ist.
So erkannte ich erst, wie schwer es Behinderte haben, all ich selber mit Kinderwagen nicht so mobil war. Und so erkannte ich erst die Gefährlichkeit des Gürtelradweges für Kinder oder auch ältere, nicht mehr so sichere Verkerhrsteilnehmer, in der Sitation mit Kind im Schlepptau.

Wie auch immer, mein Großer wäre zwar fast von einer Bim gerammt worden und auf einer großen Kreuzung hätte er fast den Schuh verloren, dennoch kamen wir heil und unversehrt mit unseren Stahlrössern beim Eybl an. Da die Drahtesel dem Service-Mann übergeben werden mußten, blieb uns nur die Möglichkeit mit der U-Bahn nach hause zu fahren. Aber das machte uns gar nichts aus 🙂

Fortan, so haben wir beschlossen, werden wir mit unseren frisch getunten, servicegepflegten Rädern wieder durch Donauinsel und Lobau radeln und den Grossstadtdschungel überlassen wir wieder den Stadt-Pedalrittern und Aspaltcowboys für ihren heißen Ritt über Tram-Kreuzungen und vorbei an Autoboliden.

Bildquelle: Bolliger Hanspeter; pixelio.de

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