Guck mal Mama!

Endlich scheint wieder die Sonne, endlich wird es wieder wärmer. Nachdem Väterchen Frost nochmal seine Zähne gezeigt hat, sehnen sich meine Lieben und ich schon sehr nach der Spielplatz-Zeit.

Jetzt wo meine beiden Racker schon recht groß sind und am Spielplatz mit sich selbst beschäftigt, komme ich dazu, mich ab und zu auf ein Spielplatz-Bankerl zu setzen und dem lustigen Treiben zu zu sehen. (Bis jetzt hockte ich ja meistens in der Sandkiste oder stand Hilfestellung gebend unter einem Spielgerät).

Jüngst beobachtete ich  dabei folgende Szene:

Ein Mädchen, vielleicht 2 Jahre alt kommt zu seiner Mama, die neben mir uf der Bank sitzt und sich intensiv mit zwei Freundinnen unterhält. „Guck mal Mama, was ich gefunden habe!“

Mama:“Hm?“

„Guck mal Mama, was ich gefunden habe!“

Das Kind hält seiner Mama einen Käfer hin.

Mama:“ Na geh! Pfui, des is ja grauslich! Schmeiß das weg!“

Das Kind wirft den Käfer achtlos auf den Boden, geht frustriert zur Sandkiste und spielt weiter.

Kurz darauf buddelt das Kind neben der Sandkiste ein kleines Loch. Es findet einen Regenwurm, zieht ihn heraus und rennt stolz zu seier Mama.

„Guck mal, Mama! ich hab schon wieder was gefunden!“

Mama:“Sag wie schaust denn Du aus! Geh, gib des weg! Wäh!“ sie reißt dem erschrockenen Kind den Wurm aus der Hand und schmeißt ihn mit entsetzter Mine in hohem Bogen weg. Notdürftig bürstet sie dem Kind die Erde von der Kleidung und wendet sich wieder ihrem Gespräch zu.

Sichtlich frustriert und verunsichert geht das Kind erneut zur Sandkiste und stochert lustlos herum.

Bis die Mama plötzlich wie von der Tarantel gestochen hochfährt, zum Kind rennt, es packt und in den Kinderwagen setzt. „Wie schaust du denn schon wieder aus! Bist ja voller Dreck!“

Hektisch putz sie ihr Kind erneut ab. Wohl etwas unsanft, zu unsanft, denn nun beginnt das Kind zu weinen. Völlig außer Atem keucht sie und japst zu ihren Freundinnen: „Ma, tut mir leid. Ich hab total die Zeit verplaudert! Wir müssen ja zur musikalischen Früherziehung. Da lernt die Maja ja immer so viel, erzähl ich  euch morgen, Bussi, Baba, ich muß jetzt los!“

Nun war ich es, die fassungslos schaute, nämlich der rasenden Mama hinterher. Ihre Freundinnen schienen gar nicht verwundert. Der ganz normale Wahnsinn in der heutigen Erziehung?

Was war passiert? Das kleine Mädchen erlebte eine an seinen Interessen und Entdeckungen völlig desinteressierte Mama, die seine Bemühungen sich mit der Mama auszutauschen noch in beleidigender, herabwürdigender Weise zunichte machte.

Es lernte, dass Käfer und Regenwürmer „wäh“ sind und nicht achtenswerte Dinge.

Der Wunsch der Mutter, sicherlich gut gemeint mit der musikalischen Früherziehung, mußte zum Wunsch des Kindes werden.

Bitte verstehen sie mich jetzt nicht falsch, Musikalische Früherziehung ist sicher eine tolle und schöne Sache. Aber in diesem Fall hatte das Kind leider gar keinen Freiraum für sich.

Die Mutter hätte die Situation gut nützen können und das Kind hätte situationsbezogen lernen können. Es hätte sich von seiner Mutter angenommen und wertgeschätzt gefühlt. Hätte erleben können, daß seine Mutter wirklich Zeit hat.

Phantasie, Kreativität, Wortschatz-erweitern und Respekt für die Natur entwickeln, neben sich geliebt und angenommem fühlen. Wäre das nicht genauso wwetvoll wie das gebuchte Kurs-Programm?

Mich hat das Erlebnis wachgerüttelt, wieder mehr im Takt der Kinder zu agieren, mit ihnen planen und nicht über sie hinweg. Und sich Zeit zu nehmen für aktuelle Bedürfnisse und Wünsche der Kinder.

In diesem Sinne wünsche Ich Ihnen schöne Frühlings- und Frühsommer -Erlebnisse. Und vielleicht haben sie ja sogar mal die Gelegenheit, mit ihren Kindern gemeinsam ein schönes Naturereignis zu erleben. Es muß nichts großes sein. Vielleicht ist es nur eine Schnecke am Gartenzaun.

Kind mit Zucchini

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