28.03.: Tag des Unkrauts

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Grüne Power Semmelknödel

Wir sind zu Besuch bei meiner Mutter. Zu Mittag gibt es grüne Semmelknödel in leckerer Käsesauce. Woher die Knödel ihre saftige grüne Farbe haben? Meine Mutter und ich waren im Garten und haben Giersch, Brennnesseln, Schafgarbe und Löwenzahn gesammelt, klein geschnitten und unter die Knödelmasse gemengt. Ergibt herrlich grüne Knödel, voller Vitamin C, Mineralstoffe und sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe. Bunt und gesund.

Für die einen stellen der wuchernde Giersch, die üppig gedeihenden Brennnesseln und der überall blühende Löwenzahn nur lästiges Unkraut dar, das man bestenfalls zupft, notfalls auch mit Chemie in Form von Herbiziden bekämpft.

Andere sehen in diesen wild wachsenden Pflanzen Beikräuter, wichtige Bienen- und Insektennahrung oder sogar wertvolle Wildkräuter, gesunde Abwechslung auf dem Speiseplan.

Wildkräuter zum Überleben

Die arme, bäuerliche Bevölkerung im Mittelalter, oft Leibeigene des Fürsten, die den Großteil der von ihnen produzierten Nahrungsmittel an den Fürsten abgeben musste, war auf Wildkräuter wie Giersch angewiesen. Diese Pflanzen wucherten überall und die Bauern wussten genau Bescheid, welche Pflanzen essbar waren. Sie gruben Knollen aus und ernteten die Pflanzen welche im Wald und auf den Wiesen wuchsen. Fleisch gab es ebenfalls nur äußerst selten, denn auch Vieh musste man abgeben und die Jagd war dem Adel vorbehalten.

Verlorenes Wissen

heute ist dieses uralte Wissen über Wildpflanzen größtenteils verloren gegangen. Kaum ein Gärtner/ kaum eine Gärtnerin weiß, dass mit dem Unkraut jäten Wildkräuter vernichtet werden, die oft um ein Vielfaches gesünder sind als der liebevoll gehegte Salat oder Spinat.

Wertvolles „Unkraut“

Hier eine kleine Übersicht, welche wichtigen Vitamine „Unkräuter“ wie Giersch und Löwenzahn enthalten:

Giersch: Vitamin A, Vitamin C, Mineralstoffe: Eisen, Kalium, Magnesium, Calcium, Zink,…

Löwenzahn: Vitamin A, B, C und D, Mineralstoffe: Kalium und Kalzium

Brennnesseln: Vitamin A, verschiedene B-Vitamine (B1, B2, B3, B5 und Folsäure), Vitamin C und Vitamin D, Mineralien: Eisen, Magnesium, Mangan, Kalzium, Phosphor und Kalium

Bärlauch: Vitamin C, Mineralstoffe: Kalium, Kalzium und Eisen

Achtung Doppelgänger

Vorsicht: Wildkräuter haben oft giftige Doppelgänger:

Doppelgänger von Giersch: Bibernelle, Wald-Engelwurz, Bärenklau (giftig), Schierling (giftig)

Merkmale des Giersch:

  1. Der Blattstiel ist dreikantig
  2. Das Blatt ist dreigeteilt
  3. Die Einzelblätter sind ebenso dreigeteilt
  4. Zerriebene Blätter erinnern an Petersilie.

Doppelgänger von Löwenzahn: Kreuzkraut (giftig)

Merkmale des Löwenzahns:

  1. Jede Pflanze hat eine Körbchenblüte
  2. Blüte ist 3 bis 5 cm breit
  3. Stängel sind unbehaart
  4. Blätter sind unbehaart und glatt
  5. Blütenstandstiele sind hohl und mit Milchsaft gefüllt

Doppelgänger von Bärlauch: Maiglöckchen, Herbstzeitlose, verwilderte Tulpen

Merkmale des Bärlauchs:

  1. Intensiver Geruch nach Knoblauch
  2. Blätter treiben einzeln aus dem Boden, an einem Stängel (nicht wie beim Maiglöckchen, wo aus einem Stängel zwei Blätter treiben)
  3. dreikantiger hohler Stängel
  4. Blätter mit glänzende Oberseite und matte Blattunterseite
  5. Blätter sind ganz weich
  6. parallelnervige Blätter
  7. Wächst aus einer Zwiebel (das Maiglöckchen wächst aus einem Rhizom

Bärlauch liebt nährstoffreiche Au- und Laubwälder und kann schon auch mal im Garten gedeihen. Bei Unsicherheit unbedingt vorher Expert/innen fragen. Es gibt jedes Jahr tödlich endende Unfälle durch Bärlauch- Verwechslungen mit Maiglöckchen, Herbstzeitloser oder auch verwilderten Tulpen. Nicht alleine auf den Geruch verlassen- irgendwann riecht alles nur noch nach Knoblauch!

Vielfalt

Unkräuter- oder nennen wir sie lieber Beikräuter oder Wildkräuter (weil das sind sie ja eigentlich) beleben die Artenvielfalt. In modernen, monotonen Agrarwüsten finden sich neben den angebauten Nutzpflanzen kaum noch andere Gewächse. Wurden „Unkräuter“ früher händisch in mühevoller Arbeit von Hand gejätet, erledigen diesen „Job“ heute Chemikalien wie Herbizide. Damit die Nutzpflanzen dies vertragen werden sie- zumindest in Brasilien, den USA und vielen anderen Ländern genetisch so manipuliert, dass sie diese Behandlung aushalten. Nur ein paar „hartgesottene, widerspenstige „Unkräuter“ passen sic diesem „Spritzstress“ an. Moderner Darwinismus, Survival of the fittest!

Nützlinge wie Florfliegen oder auch Marienkäfer oder Schmetterlinge sind auf diese Vielfalt angewiesen. Vögel wiederum brauen diese Insekten um zu überleben und ganz nebenbei verschmähen sie auch Schadionsektn nicht und halten so auf natürliche Weise deren zahl gering.

heute fehlt es an Wegrainen und Feldrainen, an Windschutzhecken und Fruchtwechselfolgen mit brachliegen lassen von Feldern zur Erholung der Böden. Die Folge ist ein dramatischer Rückgang von Insekten. Es begann mit hochspezialisierten Arten, deren seltene Lebensräume (Feuchtwiesen, Trockenrasen, Moore,…) immer mer schrumpfen. Mittlerweile schrumpfen nicht nur die Bestände dieser hochsensiblen Insekten sondern auch die der meisten anderen Arten. Mit den Insekten geht auch die Zahl der Vögel zurück.

Zusätzlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Herbizide (Glyphosat) auch massiv am Bienensterben mitverantwortlich sind und selbst für uns Menschen sehr gesundheitsschädlich sind. In Brasilien, wo sehr viel Glyphosat im Soja-Anbau eingesetzt wird, ist in betroffenen Gegenden die Krebsrate stark gestiegen und die Anzahl von behinderten Kindern hat sich dramatisch erhöht.

Hummel auf Kleeblüte-2

Hummel auf Kleeblüte-2

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