21.03.: Tag gegen Rassismus

Axel Müller / pixelio.de
Neobiota- Migranten im Tier- und Pflanzenreich

Als Ökologin schimpfe ich oft über Migranten im Tier- und Pflanzenreich. Neobiota, also nach 1492 eingebürgerte Tier- und Pflanzenarten machen nämlich häufig Probleme.

Neophyten

Gründe für das Auftreten dieser standortfremden Pflanzen oder eingeschleppten Tiere gibt es viele. Manche hat man extra eingebracht, als schöne Zierpflanze für den Vorgarten, wie das wirklich hübsche,  „Drüsige Springkraut“ aus Indien, welches Förster/innen und Umweltschützer/innen in Auwäldern schon mal an den Rand der Verzweiflung bringen kann. Es wuchert und blüht und verdrängt heimische Pflanzen. Der als Allergen bekannte Götterbaum oder die bei Imker/innen beliebte Robinie, wurden als einst beliebte Zierbäume ebenso bewusst und ahnungslos importiert.

Die Robinie besitzt Knöllchenbakterien und sie kann ähnlich wie Klee Stickstoff im Boden binden. Stickstoff kommt in der Atmosphäre zwar in großen Mengen vor (unsere Atmosphäre, auch unsere Atemluft) besteht zu 2/3 aus Stickstoff. Im Boden ist Stickstoff jedoch Mangelware. Daher ließen Bauern früher ihre Felder alle drei oder vier Jahre brach liegen und bauten nur Klee für die Tiere an, weil sich der ausgelaugte Boden Dank des Klees so wieder erholen konnte.

Das Problem ist, dass die Robinie Magerstandorte, wo konkurrenzschwache Spezialisten überleben konnten, weil andere Pflanzen den extremen Stickstoffmangel nicht überleben, mit Stickstoff anreichern, also düngen.

Das unschöne Ergebnis ist: die einst häufigen, mittlerweile recht seltenen Magerwiesen, wo Orchideen, Wiesen-Flockenblumen, Wiesen-Salbei und andere Blumen Wildbienen anlocken, weichen Brennnesseln, Löwenzahn und co.

Neozoen

Neozoen, also eingebrachte Tiere, wurden teilweise als Jagdtiere eingeführt, etwa der Fasan oder sie sind als Pelztiere entkommen, wie der Waschbar.

Manchmal ist es leider auch falsche Tierliebe, wie die freigelassene Schmuckschildkröte, welche die bedrohte heimische Sumpfschildkröte in Bedrängnis bringt.

10er Regel

Nicht alle Neuankömmlinge im Tier- und Pflanzenreich stellen allerdings ein Problem dar; von 1000 eingebrachten Arten können sich nur 10% beständig oder unbeständig halten und auch vermehren, also 100. Von diesen 100 Individuen können sich wiederum 10% tatsächlich fest etablieren und dauerhaft im Ökosystem eingliedern, also 10 Tier- oder Pflanzenarten von ursprünglich 1000 eingebrachten.

Von den 10 dauerhaft etablierten Neobiota wiederum machen 10% Probleme, verdrängen heimische Arten oder werden zur Gefahr für seltene Vögel etc.  Von 1000 eingebrachten Arten wird somit in der Regel eine zum Problem für die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Diese Problem- Arten bezeichnet man als invasiv. Die Schlimmsten stehen auf der schwarzen Liste für invasie Arten. Dazu gehören Robinie, Götterbaum, Essigbaum, der putzige Waschbär, die spanische Wegschnecke usw.

Andere Arten wie Platanen oder Mufflons stellen kein Problem dar. Platanen haben nur einen geringen Verbreitungsradius, Mufflons halten dem Beutedruck durch Wölfe nicht stand. Anders als heimische Arten können sie sich nicht ins wolfsfreie Hochgebirge zurückziehen.

Kulturbereicherung

Migranten im zwischenmenschlichen Sinn können auch als Bedrohung wahrgenommen werden. Fremdes, Unbekanntes macht oft Angst. Dort, wo Integration gelingt, kann man Migration aber als Bereicherung der Kultur empfinden.

Ich durfte einmal in einem Kindergarten arbeiten, wo die Gruppe aus unterschiedlichsten Nationen zusammengewürfelt war. Neben Kindern aus Österreich waren welche mit türkischen, afrikanischen, chinesischen, US-amerikanischen und japanischen Wurzeln.

Der afrikanische Vater machte mit den Kindern einen Trommel Workshop, der chinesische lehrte ihnen das Essen mit Stäbchen, die türkische Mutter brachte Baclava zum Kosten mit usw. Eine Bereicherung für alle!

Versöhnung mit der Genetik

Das NS-Regime missbrauchte die Biologie und im speziellen auch die Genetik um die irrsinnige Theorie des „Herrenmenschen“ aufzustellen. Aus genetischen Tests wissen wir heute, dass sich die DNA, also das Erbmaterial, aller Menschen zu 99,9% gleicht. Egal, ob mit der Nachbarin oder einem Menschen aus Afrika, Indien, Kanada oder den Fidschi Inseln verglichen wird. Somit wurde eindeutig belegt: Es gibt keine verschiedenen „Menschen-Rassen“! Alle Menschen sind gleich- zumindest genetisch!

 

 

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