Welttag des Sperlings

Spatz-Sperling in Warschau

2012 waren wir mit den Kindern, die gerade im Volksschulalter waren, in Polen. Wir schmunzelten damals über ein paar freche Spatzen in einem Café in Warschau, die so dreist waren und sich sogar auf den Nachbartischen bedienten, während wir frühstückten. Wir fanden nichts dabei, Spatzen gehörten seit jeher zum Stadtbild. Egal ob Warschau, Venedig, Panama, Linz oder Wien. Spatzen waren überall. Und meist hielten sie sie sich ein wenig im Hintergrund wenn die großen Tauben da waren, waren dafür noch frecher und flinker.

r- und k-Strategen

Es gibt Lebewesen, die bekommen viele Nachkommen, kümmen sich um diese aber dann nicht, wie etwa Kröten, Frösche oder Einzeller. Man nennt dies  in der Ökologie r-Strategie. Dem stehen k-Strategen gegenüber, Lebewesen mit nur wenig Nachkommen, um die sie sich aber intensiv  kümmern: Wale, Elefanten oder auch wir Menschen. Manche Tiere kümmern sich zwar um ihre Brut, aber nicht so intensiv wie die k Strategen, bekommen  häufig Nachkommen und zählen somit auch zu den r-Strategen, wie etwa Ratten und Mäuse oder Blaumeisen.

Spezialisten und Generalisten

Spezialisten

Es gibt Tiere, die nur auf ganz bestimmten Inseln oder in einem ganz bestimmten Ökosystem vorkommen, also in höchstem Maße an die dort herrschenden Bedingungen angepasst sind, z.B. der Seycellenparadiesschnäpper, der nur auf La Gigue vorkommt und laut IUCN vom Aussterben bedroht ist. Tiere wie der Seycellenparadiesschnäpper sind nur wenig tolerant gegen Störungen, sie können nur in einem bestimmten Lebensraum überleben, sind auf ganz bestimmte Nahrung angewiesen und leicht aus dem Glichgewict zu bringen.

Ich hatte das Glück, bei meinen beiden Aufenthalten auf den Seychellen, 2000 und 2017 mit den Kindern, einen solchen seltenen Vogel gesehen zu haben. Das dann geschossene Foto dient lediglich der Dokumentation meines Glücks, wirklich gut zu erkennen ist der seltsame Vogel mit seinen langen Schwanzfedern darauf nicht.

Generalisten

Im Gegensatz zu den Spezialisten haben Generalisten einen hohen Toleranzbereich. Sie finden sic Schnell in neuen Lebensräumen zurecht und kommen der auf der ganzen Welt vor. Ir Nachteil ist, dass sie aber nirgendwo wirklich perfekt angepasst sind und dann durch Spezialisten verdrängt werden können. Ist das der Fall, ziehen sie weiter.

Auch in der Pflanzenwelt gibt es solche Arten. Für Pionierpflanzen findet sich nach einem Erdrutsch oder wenn ein Asphaltweg aufgegeben wird und verwittert schnell ein Fleckchen, in dem sie keimen können. Sie bereiten den Boden für nachfolgende Pflanzengesellschaften vor. Diese sind dann aber konkurrenzstärker und verdrängen die Pionierpflanzen, die auf „Umbruchlandschaften angewiesen sind und daher in Städten oder in der Nähe des Menschen besonders gut existieren können.

Spatzen in Bedrängnis

Zurück zu den Spatzen. Spatzen sind Generalisten und frühe Kulturfolger des Menschen. Sie fanden in den Steinhäusern der Städte Nischen zum bauen der Nester. In der Nähe des Menschen gab und gibt es reichlich Futter, hüten mussten sie sich freilich vor dem Turmfalken, der neben Ratten,Mäusen und Tauben natürlich auf Sperlinge auf deiner Speisekarte hat.

Menschen tolerierten den kleinen frechen Vogel, was sich in Sprüchen wie „lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach oder in Kosenamen für seine Liebsten ausdrückt. Selbst Richard Lugner nannte seine letzte Ehefrau liebevoll „Spatzi“, was diese aber ablehnte, da auch das männliche Geschlechtsorgan liebevoll verniedlicht oft so genannt wird.

Mittlerweile wird es ruhig um die Spatzen. Die Spatzen sind Verlierer der steten Modernisierung. Fanden sie in alten Häusern stets Nischen um zu brüten, finden sie diese Möglichkeiten in modernen Glas-und Stahlbauten nicht mehr.

Noch sind die Sperlinge nicht akut bedroht, dennoch ist mit Sorge zu beobachten, dass ihre Bestände stetig zurückgehen. Sperlinge wurden daher von der IUCN in die Vorwarnliste bedrohter Arten aufgenommen.

Spatz-Sperling in Warschau

Spatz-Sperling in Warschau

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