Internationaler Darwintag

Kreationismus

Liebe Bekannte von uns sind streng religiös. So kommt es immer wieder zu heftigen Diskussionen zwischen uns. Wir, naturwissenschaftlich orientiert, aber keinesfalls ungläubig (ja es gibt auch Naturwissenschaftler/innen, die keine Atheisten sind) und unsere Bekannten, überzeugte Kreationisten.

Kreationisten legen die Bibel wortwörtlich aus, so lehnen sie die Evolutionstheorie strikt ab und glauben dafür streng an den Schöpfungsbericht der alttestamentarischen Genesis.

Kreationisten finden sich sowohl unter Christen, vor allem evangelikale Gemeinschaften oder auch die Zeugen Jehovas sind Kreationisten, wie auch unter strenggläubigen Muslimen.

Die Evolutionstheorie stand zum Zeitpunkt ihrer Entstehung stark im Widerspruch zur Lehre der Kirche. Laut Schöpfungsbericht der Bibel ist die Erde mit ihren Lebewesen in 7 Tagen entstanden. Manche Theologen wollen sogar das Alter der Erde anhand biblischer Hinweise errechnen und kamen so auf ein Alter von etwa 6000 Jahren für die Erde (und das Universum). Diese Berechnungen gehen zurück auf den Bischof James Usher, der im 18. Jahrhundert sogar den genauen Termin der Erschaffung der Welt errechnete. Demnach begann die Schöpfung am 23. Oktober des Jahres 4004 v. Chr. – um 9 Uhr morgens.

In den USA haben Kreationisten versucht die Evolutionstheorie aus den Lehrplänen zu verbannen – Zum Glück vergeblich.

Die katholische Kirche hat (spät aber doch) sich nicht nur posthum bei Galileo Galilei entschuldigt (Papst Johannes Paul II erteilte Galilei am 2. November 1992 seine formelle Rehabilitierung), sie anerkennt ich die Evolutionstheorie. Für Papst Franziskus sind katholischer Glaube und wissenschaftliche Erkenntnisse kein Gegensatz. Der Urknall widerspreche nicht einer göttlichen Intervention, sondern setze sie sogar voraus

Noch heute leugnen Kreationisten die langsame Entwicklung der Arten und das Entstehen von Arten aus anderen, da sie an einen einmaligen Schöpfungsakt (wie im Schöpfungsbericht der Bibel).

Chemische und physikalische und Evolution

Der Begriff „Evolution“ leitet sich aus dem lateinischen Wort evolvere „entwickeln“ ab. Genereell versteht man unter Evolution eine langsame Veränderung und Entwicklung.

Als chemische Evolutionbezeichnet man den noch weitgehend unbekannten Werdegang von Lebewesen aus organischen Stoffen (Biomolekülen). Zu diesen Biomolekülen gehören vor allem die biochemischen Grundlagen des (irdischen) Lebens. Dazu gehören insbesondere die Ribonucleinsäuren und Proteine (bzw. Polypeptide)

Diephysikalische Evolutionbeschreibt den Anfang von allem, nämlich der Entwicklung des Weltalls, so wie wir uns es heute vorstellen, beginnend mit dem Urknall.

Wenn wir uns mit der physikalischen Evolution beschäftigen, müssen wir in der Zeit sehr weit zurückgehen:

Den Urknall und den Beginn der Welt datiert man heute auf 14 Milliarden Jahre. Wobei einige Forscher/innen die Urknall-Theorie auch bezweifeln.

Das Alter der Erde wird heute auf ca. 4,5 Milliarden Jahre geschätzt.

Im 17. Jahrhundert berechnete der Erzbischof James Ussher das Alter der Erde nach Daten des biblischen Buches Genesis auf 6000 Jahre. Diesen lehren widersprach James Hutton im 18 Jahrhundert nachdem er Felsformationen entdeckte, die horizontal aufeinander lagen. Hutton erkannte, dass immense Erdkräfte hier wirken mussten und er vermutete, dass diese Vorgänge Millionen von Jahren gedauert haben mussten. Somit gilt Hutton auch als Begründer der modernen Geologie.

Kelvin vermutete, dass die Erde früher geschmolzen war(als Beweis dafür sah er Vulkanismus) und berechnete das Alter der Erde auf mit Hilfe der Thermodynamit auf 20000 Jahre. Allerdings kühlte die Erde weitaus langsamer ab, der Grund dafür war hohe Radioaktivität und die daraus resultierende Hitze im Erdinneren. Radiometrische Bestimmungen der Erde (man untersucht Kristalle in uraltem Gestein und bestimmt das Verhältnis von Uran zu Blei (Zerfallsreihe von Uran) ergaben ein weitaus höheres Alter der Erde. So kam man letztlich auf 4,5 Milliarden Jahre.

Die Transformation des Planeten in einer Wasserwelt erfolgte vor etwa 3,5 Milliarden Jahren. Die Erde kühlte allmählich ab, die Radioaktivität nahm ab. Kissenlava aus dieser Zeit belegt, dass es eine Milliarde Jahre nach dem Entstehen es Planeten schon Meere gegeben haben musste. Vor 4,4 Mrd Jahre bildete sich Wasser auf der Oberfläche der Erde. Manche Forscher/innen gehen auch davon aus, dass wasserreiche Asteroide und Meteoriten auf unserer Erde einschlugen. In der Frühzeit des Planeten regnete es Millionen von Jahren und führte zu einer „Wasserwelt“. Der Himmel leuchtete Rot und die Meere olivgrün aufgrund ihres Hohen Gehalts an Eisen.

Vor 3,4 Milliarden Jahren bildeten sich die ersten Kontinente aus Granit.

Biologische Evolution

Derbiologische Begriff der Evolutionbeschreibt das, was man gewöhnlich unter Evolution versteht, nämlich die allmähliche Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population von Lebewesen von Generation zu Generation.

Wichtige Urzeitorganismen, welcher die Zusammensetzung der Erdatmosphäre veränderten, indem sie Fotosynthese betrieben waren Stromatolithen. Diese Organismen bereicherten die Atmosphäre mit Sauerstoff. Man datiert den Beginn des Lebens auf ca. 3,5 Milliarden Jahren.

Durch die Anreicherung der Atmosphäre mit O2veränderte sich das „Gesicht“ der Erde: das Eisen in den Ozeanen oxidierte und lagerte sich als Rost (Eisenoxid) ab, der Himmel erschien aufgrund der neuen Zusammensetzung nun blau. Das heute abgebaute Eisen kommt hauptsächlich aus dieser Urzeit, wo das Eisen in den Meeren oxidierte und sich absetzte.

Paradoxe Verteilungen von Fossilien über die Kontinente führten zur Theorie der Plattentektonik. Diese besagt, dass die Kontinentalplatten sich verschieben und keineswegs starr sind. Der Deutsche Wegener schrieb erstmals über die Kontinentaldrift.

Vor 1,1 Mrd. Jahren entstand vermutlich ein Superkontinent. Man nennt ihn Rodenia (auch Rodinia). Dieser Kontinent stoppte warme Meeresströmungen und vor 700 Millionen Jahren fror aufgrund des Superkontinents Rodenia der gesamte Planet zu. Fast alle Organismen starben ab.

Das Leben hatte allerdings tief unter der Eisschicht überlebt und im Kambrium kam es zu einer regelrechten Explosion an verschiedensten Arten.

Die Evolutionstheorie, so wie wir sie heute kennen, verdanken wir Charles Darwin (1809-1882). Wobei Darwin war nicht der Einzige, etwa zur gleich Zeit wie Darwin entwickelte auch Alfred Russel Wallace (1823-1913) diese Selektionstheorie. Wallace gilt somit als Mitbegründer der Evolutionstheorie, wird aber oft „vergessen“.

Vor Darwin und Wallace beschäftigte sich schon Jean-Baptiste Lamarck (1744-1829) intensiv mit der Entstehung der Arten. Auch Lamarck war der Meinung, dass sich Lebewesen an ihre Umwelt anpassen.

Laut Lamarck würden Tiere Eigenschaften, die sie im Laufe ihres Lebens erworben haben, an ihre Nachkommen weitervererben können. Laut Lamarck würden Umweltbedingungen die Anpassung auslösen, die dann an Nachkommen weitegegeben werden.

Ein bekanntes Beispiel um die Theorie von Lamarck anschaulich zu machen, ist die Entwicklung des Halses der Giraffe. Der Lebensraum der Giraffe in den afrikanischen Steppen ist trocken und das Angebot nach pflanzlicher Nahrung begrenzt. Über Generationen hinweg musste sich die Giraffe nach Nahrung in höher gelegenen Bereichen der Bäume strecken, wodurch sich die Länge des Halses verlängerte. Von Generation zu Generation vererbten die Giraffen so ihre neu erworbene Halslänge weiter.

Das Schema dazu sähe so aus:

Bedürfnis der Lebewesen sich anzupassen -> Gebrauch von Organen führt zur stärkeren Ausbildung -> erworbene Merkmale werden weitervererbt.

Mit der Evolutionstheorie war die Lehre des Lamarck widerlegt, allerdings stellte sich durch die Epigenetik (Mechanismus, um bestimmte Gene auf der DNA ein- oder auszuschalten) heraus, dass sich epigenetische Faktoren (eben die „Schalter der Gene) durch die Umwelt beeinflussen lassen. So haben z.B. Stress oder Nahrung Einfluss auf die Epigenetik des Menschen. Epigenetische Faktoren werden bis zu 3 Generationen weitervererbt und gelten als „Motor der Evolution“ einerseits, erinnern aber auch etwas an die Lehre des Lamarck, da über epigenetische Faktoren erworbene Eigenschaften weitervererbt werden (bzw. der Schaltplan der DNA durch erworbene Eigenschaften verändert wird und dieser veränderte Schaltplan dann weitervererbt wird).

Evolution basiert auf folgenden Faktoren:

Mutation (zufällige Veränderungen im Erbgut)

Selektion („Survival of the Fittest “)

Isolation (keine sexuelle Fortpflanzung mit der ursprünglichen Population mehr möglich)

Genetische Drift (zufällige Änderung der genetischen Zusammensetzung einer Population

Anpassung (neue Lebensräume, Nischen möglich)

Die Evolutionstheorie ruht auf folgenden fünf Hypothesen:

  1. Lebewesen produzieren mehr Nachkommen, als schließlich ins fortpflanzungsfähige Alter kommen können, da diese Nachkommen untereinander oder auch mit anderen Arten um lebenswichtige Grundlagen (Nahrung, Licht, …) konkurrieren. Man nennt das „Kampf ums Dasein“.
  2. Individuen einer Art sind nicht vollkommen gleich, sondern variieren ein wenig. Diese Unterschiede kommen zufällig zustande. So wird auch beim Menschen, wenn in einer Familie mehrere Kinder sind, jedes Kind ein wenig „anders“ sein.
  3. Nun kann sein, dass einer dieser Nachkommen mit seiner „Varietät“ ein bisschen besser an neue Umweltbedingungen angepasst sind. Ein Pantoffeltierchen, dass eine „Spore“ bilden kann und sich abkapselt wird eher überleben oder die Pflanze mit den längsten Wurzeln hat Forteile gegenüber Pflanzen mit der Varietät „besonders kurze Wurzeln. Die am besten angepasstenIndividuen werden sich durchsetzen und Nachkommen produzieren. Darwin nannte das „Survival oft he fittest“.
  4. Die erblichen Veränderungen werden auch auf den Nachwuchs weitergegeben! Die Nachkommen erben also die besser an die Umwelt angepassten Eigenschaften!
  5. Werden nun Individuen einer Gruppe getrennt (etwa ein tropischer Wirbelsturm verfrachtet ein paar Vögel einer Population auf eine weit entfernte, bisher unbesiedelte Insel), passen sich die Nachkommen beider Populationen an ihre jeweilige Umgebung an und entwickeln sich so in verschiedene Richtungen („Divergenz“). Es entstehen neue Arten.
Die Evolution des Menschen:

Die gemeinsame Abstammung von Menschen und deren Vorfahren (Hominiden) und Schimpansen spaltete sich vor etwa 8 Millionen Jahren auf. Im Tschad wurde ein Schädel gefunden, der etwa 7 Millionen Jahre alt ist und der Merkmale von Schimpansen und von Menschen vereint.

Als „ersten Menschen“ bezeichnet man meist den Australopithecus.

Australopithecinen lebten vor 4,4-1,4 Millionen Jahren. Als Wiege der Menschheit wird meist der Afrikanische Grabenbruch in Ostafrika genannt. Die berühmte Lucy, ein gut erhaltene Australopithecinen-Skelett fand man in Äthiopien. Lucy ist etwa 3,2 Millionen Jahre alt und gehörte zur Gattung Ardipithecus.

Vor etwa 2,5 Millionen Jahren tauchte der erste Vertreter der Gattung Homo auf, der Homo habilis, der „geschickte Mensch“. Homo habilis gebrauchte bereits Steinwerkzeuge.

Vermutlich war der Australopithecus kein direkter Vorfahre von Homo habilis, sondern wahrscheinlicher ist es, dass sich beide Gattungen aus unterschiedlichen Linien bildeten, die Australopithecinen aber schließlich ausstarben.

Aus dem Homo habilis hingegen entwickelte sich der Homo erectus („der aufrecht gehende Mensch“) und letztlich der Homo sapiens („der vernunftbegabte Mensch“).

Zu den Nachfahren des Homo erectus gehörte auch der Neandertaler, welcher vor 130000 bis 35000 Jahren in Europa lebte. Der Neandertaler war besonders gut an die raue Umgebung der Eiszeit angepasst. Der Neandertaler war kein direkter Vorfahre des modernen Menschen, allerdings glauben manche Forscher/innen, dass Homo sapiens und Homo neandertalensis (also Neandertaler) sexuell paaren konnten und auch Nachkommen produzierten. Möglicherweise tragen wir somit alle zumindest ein „bisschen Neandertaler“ in unseren Genen.

Die ältesten Funde des modernen Menschen, Homo sapiens stammen aus Afrika und sind etwa 1ooooo Jahre alt.

Wenn man die Leistungen von Menschen mit Tieren vergleicht, so stellt man fest, dass Menschen zwar sehr vielfältig sind und laufen klettern, springen und Schwimmen können, aber in allen Disziplinen gibt es Tiere die besser sind: Einen Gepard mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120km/h könnte ein Mensch sowieso nicht überholen, aber selbst die schnellsten Läufer hätten Schwierigkeiten gegen eine Kuh im Sprint zu gewinnen. Hunde riechen besser als Menschen und Adler sehen besser. Dafür das Mensch das am besten ausgebildete Gehirn: Das Gehirn des Menschen hat in Bezug auf seine Größe ein großes Volumen und eine große Oberfläche. Auch die Lernfähigkeit des Menschen und seine Fähigkeiten, Informationen zu speichern und zu verarbeiten sind den Leistungen von Tieren deutlich überlegen.

Eine weitere Besonderheit nimmt der Mensch durch die Sprache ein. Auch Tiere verständigen sich durch verschiedenen Laute und Gesten, die Sprache des Menschen ist aber erst durch bestimmte anatomische Merkmale im Mund- und rachenraum möglich, womit er sich z.B. vom Schimpansen unterscheidet. Einzigartig ist auch das motorische Sprachzentrum im menschlichen Gehirn.

Darwintag

Heute ist internationaler Darwintag. Man gedenkt an diesem Tag nicht nur den großen Leistungen des Charles Darwin, sondern auch der immensen Artenvielfalt, die Dank der Evolution entstehen konnte (und noch immer passiert). Leider sind negative Auswirkungen der Profitgier des Menschen, das Bestreben der Menschen, die Erde wirtschaftlich auszubeuten an vielen Orten der Welt deutlich spürbar, so dass die „normale Aussterberate“ (es sterben immer Tiere und Pflanzen Naus, das ist normal) um ein Vielfaches erhöht ist, weil für empfindliche Tier- und Pflanzenarten entweder der Lebensraum verschwindet oder so umgestaltet wird, dass sie dann nicht mehr überleben können.

Der vergessene Evolutionsbiologe

Vielleicht wollen wir am Darwin auch an Alfred Russel Wallace denken, ein junger Wissenschafter und Zeitgenosse Darwins, der von Indonesien kommend mit den selben Erkenntnissen zurückkehrte, wie der bekannte Darwin. Russels Schiff brannte ab, er konnte seine zahlreichen Schriften und Arbeiten nicht retten und musste von vorne anfangen.

Darwin, der lange zögerte, seine Evolutionstheorie zu veröffentlichen (er wollte möglichst viele Beweise sammeln um gegen die mächtige Kirche anzukommen), anerkannte aber die Leistungen seines jüngeren Kollegen, so wurde die Theorie lange Zeit Darwin Wallace Theorie genannt. Heute ist Wallace aber leider vergessen.

Riesenschildkröte

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