Natur im Garten

Wir waren im Garten meiner Mutter. Wir; meine Kinder, mein erwachsener Neffe, meine Mutter und ich. Meine Mutter hat einen wunderbaren, großen Garten. Mit alten, knorrigen Obstbäumen, Sträuchen und Hecken und verwilderten Ecken. Ein Garten, der ohne Pestizide, Kunstdünger und diversen Spritzmitteln auskommt.

Ein Garten, in dem die besten Tomaten gedeihen, in dem die köstlichen Äpfel nicht gleich groß sind und alle ein wenig unterschiedlich ausschauen.

Ein Garten, in dem sich Singvögel und Falter genau so wohl fühlen wie Igel, wo neben gemähten Wiesenflächen Areale mit bunten Blumen Platz haben. Ein Garten, wie geschaffen für Kinder.

Wir nützten also die ersten wärmenden Frühlingsonnenstrahlen um ein Projekt im Garten zu realisieren, von denm ich schon seit zwei Jahren träume: eine lebende Gartenhütte.

Lebende Gartenhütte? Nein, ich bin weder verrückt, noch ist meine Phantasie mit mir durchgegangen.

Die Idee ist es, in einem abgelegenem Winkel des Gartens Weidenstecklinge kreisrund zu pflanzen und in Folge so zu stutzen, bwz. ihre elastischen, biegsamen Triebe so zu ineinander zu weben, dass eine igluartige, lebende Hütte entsteht.

Meine Schwester mußte ihre Sal-Weide stutzen und die abfallenden Äste gruben mein Neffe und ich kreisrund ein. Beim Auflockern der Erde und Ausheben der Löcher für die Stecklinge entdeckten wir etliche Regenwürmer. Meine 4jährige freute sich riesig über die Ringelwürmer, nahm sie behutsam entgegen und brachte sie zu einem frisch angelegten Beet mit lockerer Erde. Auch ein paar andere Tiere, die bei der Arbeit zutage kamen wurden von meiner Kleinen bestaunt: ein schwarzer Käfer und ein weißer Engerling.

Ein wunderschönder, gelber Zitronenfalter flatterte durch den Garten und erinnerte mich daran, dass dank der entstehenden Hütte noch mehr Falter in den Garten meiner Mutter einziehen werden. Neben wichtiger Nahrung für Bienen in den ersten Frühlingstagen ist die Salweide Heimat für an die 100 verschiedenen Schmetterlingsarten z.B. TrauermanteloderGroßer Fuchs.

Meine Kleine hat auch schon ein Hobby meines Großen übernommen: Wildkräuter im Garten zu suchen und zu verspeisen; Gänseblümchen, Veilchen, Sauerampfer. Ganz nebenbei vertieft sie ihre Artenkenntnis und erfährt etwa, dass Veilchen bekömmlich schmecken, Dotterblumen aber giftig sind. Und Blüten, die sie nicht sofort verspeist, verwendet sie später zur Dekoration ihres Salates, wodurch dieser doppelt so gut schmeckt.
Mein Großer nutzte die Zeit außnahmsweise nicht zum Forschen und Tiere beobachten; er erklomm eine Hasel Corylus avellana), zerhackte ein paar alte Äste und experimentierte dann schließlich doch noch mit Steinen- in der Hoffnung einen Feuersteine zu finden und ein Lagerfeuer entfachen zu können.

Unsere Familienhündin erschnüffelte jeden Winkel des Gartens und am Abend waren alle ziemlich erschöpft- aber glücklich und entspannt nach einem wunderschönen Tag in einem ganz gewöhnlichen Garten. Mit den Augen eines kritischen Erwachsenen vielleicht nicht im allerschönsten Garten, aber in einem Garten, in dem auch die Natur noch Platz hat. In einem Garten, in dem Kinder Kinder sein dürfen, spielen, experimentieren und forschen dürfen. Und forschen können-weil es noch genug zum erforschen und entdecken im Garten gibt: von bunten Blumen über Regenwürmer bis zu verschiedensten größeren und kleineren Tieren.

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