Das Märchen vom „bösen Wolf“

In Afrika werden Nashörner geschossen, in Asien Tiger. Waldelefanten richten in Sri Lanka riesige Schäden an den Feldern an- und auch sie werden oft geschossen.

Angesichts dieser Ungeheuerlichkeiten sind wir schockiert. Elefanten, Tiger, Nashörner und Elefanten zu schützen, ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir erwarten von Entwicklungs- oder Schwellenländern, dass diese es schaffen sollen, bedrängte Arten zu schützen, Wege zu finden, um den Kleinbauern und Bäuerinnen u helfen und auch die Elefanten, Tiger oder Nashörner vorm Abschuss zu bewahren.

Heute ist der Tag des Wolfs“, ein passender Anlass, sich ein paar Gedanken über die bedrohte Tierart Wolf in Österreich zu machen.

Der „böse Wolf“ in Österreich

Wie können wir von Menschen in Ländern wie Kenia, Tansania, Thailand, Indien oder Kambodscha erwarten, dass sie schaffen, was wir hierzulande lange nicht können, einen Weg zu finden, um gemeinsam mit Wildtieren zu leben. Vor über 100 Jahren wurde in Österreich der Wolf ausgerottet. Der letzte von ihnen wurde 1882 im Wechselgebiet geschossen.

Langsam kehrt der Wolf nach Österreich und Deutschland zurück, erobert seine „alten Gebiete“ zurück. Und sofort werden Rufe laut, in Österreich wäre kein Platz für Wölfe. Die Angst vor gerissenen Schafen geht um. Dabei müsste man gar nicht so weit reisen, um zu sehen , wie es geht: in Rumänien und Bulgarien leben Bären, Luchse und Wölfe in großer Zahl. Schafherden werden von Schäfern mit ihren Hunden bewacht, ein Aufwand, der in Österreich nicht leistbar scheint. Auch das Handwerk des Schäfers kann hierzulande niemand mehr. Im Wolf- und bärlosen Österreich wurden die Dienste von Schäfern oder Hütehunden fast 200 Jahre nicht gebraucht.

In Österreich, Deutschland und der Schweiz wird die Bewachung von Schafherden durch Hütehunde diskutiert. Nur ohne Schäfer werden diese möglicherweise zu einer Gefahr für Wanderer.

Wildtiere in Österreich

Der Wolf ist aber nicht der einzige Rückkehrer, der in Österreich nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird: So werden auch Fischteiche plündernde Fischotter vom Fischereiverband verdammt oder Bären und Luchse illegal geschossen.

Dabei sind auch etliche „Vorwürfe“ dem Wolf gegenüber mehr als fragwürdig.So wird kritisiert, der Wolf rotte das Mufflon aus. Mufflons sind eingewürgte Wildschafe aus Korsika und Sardinien und nicht an Feinde wie Wölfe angepasst. Wichtig wäre es, Mufflons in Korsika und Sardinien zu schützen, wo ihre Bestände sehr stark bedroht sind.

Die Zukunft der Wölfe in Österreich

Der Wolf ist nicht böse, wie im Märchen und es wäre wichtig, Konzepte zu finden, um Schafe oder Bienenstöcke zu schützen und dennoch auch Wildtiere zu dulden. Es ist auch wichtig, die Gefahr kalkulierbar zu machen und wahrscheinlich müssen wir auch lernen, dass es im Zusammenleben mit Wildtieren keine hundertprozentigen Garantien geben wird.

Man wird ein paar gerissene Schafe dulden müssen und Fonds generieren um die Schäden betroffener Landwirt/innen gering zu halten.

So wichtig Tierschutz in Sr Lanka und Tansania ist, wir müssen auch lernen, die Wildtiere vor unserer eigenen Haustüre zu schützen. Wir müssen moderne Wege finden um ein Zusammenleben mit Fischotter, Bär, Luchs und Wolf zu ermöglichen. Und diese Konzepte können wir nach Afrika oder Südostasien tragen. Oder- noch besser- wir schauen uns von Rumänien und Bulgarien einiges ab.

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