32 Jahre Super-GAU von Tschenobyl

by_Rosel Eckstein /pixelio.de
Die Katastrophe in Tschernobyl

Vor 32 Jahren erlebte die Welt eine ihrer größten Katastrophen. Ein Reaktor des Kernkraftwerks in Tschernobyl, erbaut um Millionen von Menschen mit Strom zu versorgen, Atom Lobbyisten sprechen heute von „sauberem“, weil CO2-neutralem Strom, flog in die Luft. Die Katastrophe war die Folge eines schief gelaufenen Sicherheitstests und führte uns die möglichen Folgen von Unfällen in Atomkraftwerken vor Augen.

Ich kann mich gut erinnern, ich war noch ein Kind und seltener Ostwind wehte damals. Ein starker Gewitterregen setzte unseren Keller unter Wasser und meine Mutter und ich standen im Regen und kämpften gegen die Wassermassen in unserem Keller. Ein paar Tage später erfuhren wir, dass unsere Gemeinde zu den österreichweit am stärksten betroffenen Gegenden gehörte.

Auswirkungen bis Europa spürbar

Die Auswirkungen des 1986 erfolgten Super-GAUs waren also bis Mitteleuropa spürbar. Auch in Österreich waren etliche Gemeinden, so wie meine Heimatgemeinde, stärker betroffen als andere. Der Sand in allen Spielplätzen musste ausgetauscht werden, das Obst durfte nicht verspeist werden, Pilze waren über mehrere Jahre nicht genießbar und das Fleisch von Wildschweinen ist noch immer kontaminiert. Man sollte nicht öfter als 2-3mal im Jahr Wildschwein essen, da die Wildschweine mit Vorliebe Pilze und Wildfrüchte in der oberen Bodenschicht fressen und sich somit die radioaktive Belastung bei diesen Tieren anreichert.

In der Ukraine verhinderten die Liquidatoren eine noch größere Katastrophe. Diese Arbeiter, die großteils zu ihrem Einsatz gezwungen wurden, verhinderten noch Schlimmeres, in dem sie per Helikopter Blei und Sand auf die Atomruine abwarfen. Bergleute trieben sogar einen Tunnel unter das AKW und gossen Beton in diesen Tunnel um das zerstörte AKW nach unten hin abzudichten.

Das Unglück forderte viele Tote, einerseits unter den Liquidatoren, andererseits wurde auch die Bevölkerung viel zu spät informiert und die Krebsrate schnellte in die Höhe. Dank der Tschernobyl Kinderhilfe konnten und können Kinder aus betroffenen Gebieten nach westlichem Standard behandelt werden, denn noch heute ist in den verstrahlten Gegenden die Krebsrate besonders hoch.

Atomkraftwerke rund um Österreich

14 der 28 EU-Staaten Europas haben Atomkraftwerke. 126 Reaktoren stehen in Europa, das sind etwa ein Viertel der weltweiten Reaktoren. Von diesen AKWs sind einige über 30 Jahre alt, also richtige Schrottmeiler. Da sind Reaktoren ohne Sicherheitsbehälter, somit potenziell gefährlich. Auch rund um Österreich finden sich viele AKWs, auch sehr alte und unsichere.

So liegt in der Schweiz das älteste noch laufende AKW der Welt, der 1969 (!) fertiggestellte Reaktor Beznau, 8 Autostunden von Wien entfernt. Die Auswirkungen eines Unfalls wären für Österreich ungleich größer als jene von Tschernobyl. Und Beznau ist nicht das einzige grenznahe AKW um Österreich, da sind noch Mochovce, Temelin, Dukovany, Bohunice,…

Dabei liegt auch in scheinbar sicheren Kraftwerken das Risiko niemals bei Null, das zeigte sich beim erdbebensicheren, japanischen Atomkraftwerk Fukushima im März 2011. Das Erdbeben der Stärke 9 überlebte das AKW, nicht jedoch den Stromausfall durch den folgenden Tsunami, der die Kühlung der Brennstäbe in dem abgeschalteten Kraftwerk stoppte. Was folgte ist bekannt: Explosionen, Kernschmelze und eine nukleare Verseuchung des Pazifiks und der Gebiete rund um das AKW, zumindest in einem Radius von rund 30km.

Immenses menschliches Leid

Tschernobyl und Fukushima waren zwei atomare Unglücke, die immenses menschliches Leid mit sich zogen: mutige Liquidatoren, die in Tschernobyl noch Schlimmeres verhinderten und ihren Einsatz mit ihrem Leben bezahlen mussten. Ärztinnen und Ärzte, die in der Sperrzone die Liquidatoren untersuchen und behandeln mussten und die, so sie noch nicht an den Folgen der radioaktiven Strahlung verstorben sind, noch immer unter den Spätfolgen leiden.  Opfer sind auch die vielen Krebspatient/innen und deren Angehörige, Menschen die auf der Flucht vor der radioaktiven Verseuchung Grund und Boden, Hab und Gut verloren haben.

Ungelöste Frage der Endlagerung von Atommüll

Noch immer ist die Frage nach der Endlagerung des radioaktiven Mülls nicht geklärt. Kein Staat, keine Gemeinde will diesen Müll haben, für den es noch keine wirklich sicheren Lagerstätten gibt und der noch Menschen in tausenden Jahren bedroht, wenn sich Archäologen oder Erdwissenschafter in den Boden graben sollten. Und noch immer wollen uns Atom Lobbyisten einreden, wie wichtig und umweltfreundlich- weil eben CO2-neutral, Atomstrom sei.

Als Konsument/innen haben wir die Möglichkeit, Strom von Anbietern zu beziehen, die keinen Atomstrom zukaufen, wir haben die Möglichkeit Strom aus nachhaltigen Energiequellen zu kaufen- um uns und unsere Nachkommen vor radioaktiver Verseuchung wie in Tschernobyl zu schützen!

by_Rosel Eckstein /pixelio.de

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