Ist Unkraut ein Un-Kraut?

by Verena N. / pixelio.de
Tag des Unkrauts

Am 28. März ist der Tag des Unkrauts. Grund genug, sich einmal mit dem Thema „Unkraut“ zu beschäftigen.

Laut Wikipedia stellen Unkräuter „Pflanzen der spontanen Begleitvegetation in Kulturpflanzenbeständen, Grünland oder Gartenanlagen dar, die dort nicht gezielt angebaut werden und aus dem Samenpotential des Bodens, über Wurzelausläufer oder über Zuflug der Samen zur Entwicklung kommen.“

Als Unkraut bezeichnet man also Wildkräuter, die in Gartenbeeten, auf Äckern oder in Blumenbeeten wachsen und dort unerwünscht sind.

Früher behalf man sich durch Jäten. Auf einem Bauernhof gab es viele fleißige Hände und auch die Kinder mussten mithelfen, nach der Aussaat unerwünschte Unkräuter zu entfernen.

Herbizide

Später begann man Herbizide einzusetzen. Diese Mittel gibt es seit den frühen 1940er Jahren und dienen dazu, Nutzpflanzen vor Unkraut zu schützen. Das Problem dabei war nur, Mittel gegen Unkräuter, somit unerwünschte Pflanzen, können auch den erwünschten, gesäten Nutz- Pflanzen schaden. Da die meisten Unkräuter zweikeimblättrige Pflanzen sind, einige Nutzpflanzen aber einkeimblättrig (Gräser, wie Mais oder Weizen), konnte man diese durch Aufbringung von Herbiziden gegen Unkräuter schützen und ersparte sich das mühsame Jäten.

Klingt ja recht gut, das Problem war nur, dass

  1. die Unkräuter begannen, gegen die Spritzmittel resistent zu werden und neue Spritzmittel entwickelt werden mussten
  2. nicht nur Herbizide eingesetzt wurden, sondern auch synthetische Düngemittel und Insektizide, wie das bis in die 1970er verwendete, hochgiftige DDT. Rückstände all dieser Mittel sind dann auf und in unserem Essen

Mit der Entwicklung transgener, also genmanipulierter Pflanzen, versprach man den Konsument/innen weniger Einsatz von Spritzmitteln. Indem man Pflanzen Gene von z.B. Bakterien einbaut, die quasi wie ein eingebauter Schutz gegen bestimmte Schädlinge wirken, könnte man den Einsatz von Spritzmitteln eindämmen. Klingt auch gut, aber

  1. Weiß man noch immer nicht genau um die Wirkung dieser veränderten Nahrungsmittel auf den menschlichen Organismus
  2. Werden die meisten transgenen Pflanzen dazu entwickelt, dass sie resistent gegen Super Herbizide wie Glyphosat werden, mit den Folgen wie noch mehr Gift im Essen, Bienen sterben und betroffene Anwohner, z.B. eine erhöhte rate an Tot- und Fehlgeburten und behinderter Kinder in ländlichen Gebieten von Brasilien, wo in Soja-Anbau Gebieten besonders viel Glyposat eingesetzt wird.
  3. Können sich transgene Pflanzen möglicherweise mit Wildpflanzen kreuzen, mit unvorhersehbaren, unerforschten Folgen.

Somit stellt die moderne Unkrautbekämpfung einen weitaus größeren Schaden an, als Unkraut selber. Argumente für den Einsatz von Herbiziden und Insektiziden usw. ist natürlich die Ertragssteigerung. Dabei gibt es landwirtschaftliche Modelle wie die Permakultur, wo Unkräuter nicht als Unkräuter gesehen werden, sondern als Beikräuter und besonders schmackhaftes und schadstoffarmes Bio-Obst und Gemüse geerntet werden kann.

Unkräuter als Nutz- und Heilpflanzen

Außerdem finden sich unter den Unkräutern auch wichtige Heilpflanzen, die eigentlich auch Nutzpflanzencharakter haben und vielfältig in der Küche oder als Tee eingesetzt werden können, wie die Brennnessel.

Der wuchernde Giersch wird oft mit Mühsal und Gift aus heimischen Beeten vertrieben. Zu Unrecht, Giersch enthält etwa bis zu dreizehnmal mehr Mineralstoffe und doppelt so viel Eiweiß wie Grünkohl!

Auch Breit- und Spitzwegerich sind sehr vitaminreich. Sie sind ein altbekanntes Hausmittel und finden sich auch in vielen Hustensirups aus der Apotheke.

Löwenzahn blüht nicht nur schön, er eignet sich auch wunderbar als Salat (besonders die jungen Blätter), essbare Blüten kann man nicht nur vom Löwenzahn ernten, sondern auch vom Gänseblümchen.

Klatschmohn und Kornblumen wachsen an Feldrainen und zwischen den Getreidehalmen (so man sie nicht wegspritzt). Die Kornblume ist ein früher Kulturfolger (als Archäophyt gelangte sie schon vor dem Mittelalter aus dem Mittelmeergebiet unbeabsichtigt mit dem Saatgut nach Mitteleuropa). Klatschmohn, Kornblume und Kamille treten oft gemeinsam auf, sind heute aber nur noch selten anzutreffen. Die hübsche, blaue Kornblume und der rote Klatschmohn sind hübsche Farbtupfer in der Kulturlandschaft und die Kamille wird wegen ihrer heilenden Wirkungen schon lange gesammelt.

Ist Unkraut ein Un-Kraut?

Die anfangs gestellte Frage „Ist Unkraut ein Un-Kraut?“ lässt sich für mich einfach beantworten: Nein. Sie sind nur dem modernen menschen lästig geworden, der nicht mehr um ihre wertvollen Inhaltsstoffe weiß und der seine Felder und Lebensumfeld nach seinen Wünschen gestalten und umgestalten möchte. Viele hungrige Menschen im Mittelalter verdankten ihr Überleben Wildkräutern wie dem Giersch, da sie fast ihre gesamte Ernte abliefen mussten und sie so selber auf wild gesammeltes Gemüse zurückgreifen mussten.

Vielleicht müssen nur mehr Menschen wieder umdenken, sich auf Werte wie Nachhaltigkeit besinnen und die wahren Schätze und Werte der Natur wieder kennen- und lieben lernen.

Vielleicht müssen auch nur ein paar Etat- oder Haubenköche unsere Wildkräuter/Beikräuter/Unkräter wieder entdecken und sie so zu Kultpflanzen und neuen Stars der Nutzpflanzen zu machen. Und wenn sie bewusst angebaut werden, sind sie ja keine Unkräuter mehr, sondern robuste Kulturpflanzen…

by Verena N. / pixelio.de

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