02.02.: Welttag der Feuchtgebiete

Im Donaudelta-4

Wenn man den Begriff „Feuchtgebiete“ im Internet sucht, so werden vorerst nur Seiten mit Information zum Roman bzw. zur Romanverfilmung „Feuchtgebiete“ der deutschen Autorin Charlotte Roche angezeigt, welcher 2008 veröffentlicht – und zum Bestseller wurde.

Keine Frage, der etwas schräge Roman behandelt wichtige Themen wie Körperbewusstsein und Selbstbild der Frau und er reflektiert Themen, wie die oft übertriebene Körperhygiene vieler Frauen auf provokante Art. Dennoch war ich etwas stutzig, dass ich Informationen über Feuchtgebiete im biologisch-ökologischen Sinn erst nach Recherche nach Feuchtgebietstypen (Moore,…) oder gekoppelter Sucheingabe (Feuchtgebiete+Schutz) finden konnte. Die Suchmaschinen bilden eben auch immer die Prioritäten der Menschen ab. Und auch wenn Feuchtgebiete extrem artenreiche, biologisch wichtige und äußerst gefährdete Ökosysteme sind, so scheint den meisten Menschen noch nicht bewusst zu sein, welche Bedeutung Moore, Sümpfe usw. haben und wie stark sie bedroht sind und daher geschützt werden müssen, wenn man nicht möchte, dass Naturjuwelen wie die fleischfressende Pflanze „Sonnentau“ für immer verschwinden.

Aus diesem Grunde finde ich es gut und wichtig, dass der internationale Welttag der Feuchtgebiete eingerichtet wurde.

Am 2.Februar ist der Welttag der Feuchtgebiete

Am 2.Februar ist der Welttag der Feuchtgebiete. Zeit, einmal über diese wunderschönen, meist artenreichen, hochsensiblen und weltweit vom Verschwinden bedrohten Ökosystemen zu schreiben.

Was sind Feuchtgebiete?

Feuchtgebiete sind: Landschaften, in denen Seen oder Tümpel, Bäche oder Flüsse integriert sind. Es sind Übergänge von aquatischen Ökosystemen wie Bach oder See zu trockenen, wie Wälder oder Wiesen.

Viele Feuchtgebiete zeichnen sich durch periodische Überschwemmungen aus oder durch Gradienten von sehr feucht bis fast trocken, wie Auwälder.

Zu den Feuchtgebieten zählen nun Auen, Bruchwälder, Feuchtwiesen, Moore, Riede (Schilfgürtel), Sümpfe  oder Marschland (Schwemmland).

Feuchtgebiete sind akut vom Verschwinden bedroht

In den letzten 40 Jahren sind 30-40% der ehemaligen Moore verschwunden. Moore, Feuchtwiesen oder auch Bruchwälder wurden und werden aus wirtschaftlichen Gründen entwässert. Eine Feuchtwiese oder ein Erlenbruchwald sind wirtschaftlich nicht nutzbar. Man legt Gräben an, Wasser fließt über diese Kanäle ab und entzieht so den Feuchtgebieten das Wasser, damit sie trockengelegt und landwirtschaftlich oder für Bauland genutzt werden können. Viele Moore sind so Ackerflächen oder Grünland gewichen.

Auch der Torf  der Moore wurde und wird gerne genutzt: Als fruchtbarer Bestandteil von Blumenerde oder als Moorbad im Wellnessbereich.

Nährstoffmangel macht erfinderisch

Der Nährstoffmangel in Moorgebieten macht Pflanzen sehr erfinderisch; so findet man neben dem Sonnentau, der mit seinen klebrigen Fangblättern Insekten fängt und verdaut,  auch den Wasserschlauch in Moorseen. Der Wasserschlauch saugt mit seinen winzigen Fangbläschen Wasserflöhe ein und gilt als schnellste Pflanze der Welt.

Artenreichtum durch ein Mosaik an Biotopen

Einzigartig in vielen Feuchtgebieten ist das Mosaik an verschiedensten Biotopen nebeneinander: von nass (See, Tümpel, Teich) über feucht (Feuchtwiese, Moor) bis trocken (trockene Inseln, Wälder) findet man unterschiedliche Lebensräume für die Bedürfnisse viele Tier und Pflanzenarten. Aufgrund der schweren Lebensbedingungen findet man auch viele Spezialisten, wie fleischfressende Pflanzen oder auch seltene Tier- und Pflanzenarten in den Feuchtgebieten.

Schutz der Feuchtgebiete

Angesichts der Tatsache, dass viele dieser Feuchtgebiete noch immer bedroht sind, auch wenn mittlerweile etliche davon (geschützte) Natura 2000 Gebiete sind, ist es wichtig, sich für deren Erhalt einzusetzen. Denn noch immer müssen Moore und Feuchtgebiete landwirtschaftlicher Nutzfläche oder Bauprojekten weichen.

Weltweit stehen weniger als 10% der Feuchtgebiete unter Schutz: Es muss also noch  viel getan werden!

Aber es gibt auch schon Gegenmassnahmen: Renaturierung von Mooren und Augebieten. Diese Maßnahmen kommt nicht nur der Natur entgegen, sie sind auch wichtiger Überschwemmungsschutz, denn intakte Feuchtgebiete, wie auch Auwälder, können wie ein Schwamm große Wassermengen aufnehmen und so vor Hochwasser schützen.

Es gibt auch Kompromisse zwischen Wirtschaft und Naturschutz: Da konsequenter Rückbau von Feuchtgebieten z.B. auch eine dauerhafte Flutung von Wiesen bedeuten kann, hat dies zur Folge, dass ehemals durch Trocknlegung errungenes Nutzland nicht mehr genutzt werden kann. Um den wirtschaftlichen Schaden in Grenzen zu halten, wird mancherorts kontrolliert und in Maßen(!)- nicht in Massen- Torf entnommen- es wird versucht „nachhaltige“ Torfwirtschhaft zu betreiben (auch wenn selbst die Befürworter dieser Kompromisse die Entnahme von Torf als problematisch erachten).

Ein Paradies für Kinder

Feuchtgebiete sind ein Paradies für Kinder, welches viele Kinder heute nicht mehr erleben dürfen. Wir haben das Glück, dass wir bei unserem jährlichen Almurlaub auf der Wansingalm noch viele natürliche/naturnahe Feuchtgebiete vorfinden.

Die Kinder haben Spass beim Dammbauen im eiskalten Bach und freuen sich, wenn sie unter Steinen Steinfliegen Larven entdecken. Diese Larven gelten als Bioindikatoren, als Zeigerarten, für extrem hohe Wasserqualität.

Sie können durch Feuchtwiesen stapfen und freuen sich, dass sie hier noch den selten gewordenen Grasfrosch beobachten können. Auch Molche oder Alpensalamander und natürlich viele Libellen konnten wir schon beobachten.

 

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