Artenvielfalt und bedrohte Tier- und Pflanzenarten

Die Kinder und ich schauten uns im Fernsehen eine Dokumentation über die Naturschönheiten Sri Lankas an.

Wir staunten über die gezeigten Wildtiere wie Elefanten, Blau- und Pottwale vor den Küsten und wunderschöne Landschaften. In uns entbrannte Fernweh.

Neben den Schönheiten Sri Lankas wurden in der Dokumentation auch schonungslos die Bedrohungs-Szenarien gezeigt, welche die phantastische Tier- und Pflanzenwelt der Insel im indischen Ozean gefährden.

Nicht nur in Sri Lanka, auch an in anderen Teilen der Welt finden wir atemberaubende Natur, Geheimnisse, die längst noch nicht alle gelüftet wurden. Ein paar dieser wundervollen Naturschätze durften wir sogar schon mit eigenen Augen sehen, z.B. die sagenhaften, leider akut vom Aussterben bedrohten Irrawaddy Delfine in Kambodscha, deren Bestand sich erfreulicherweise gerade etwas erholt.

Wir durften auch in Tansania die beeindruckende Wanderung der riesigen Gnu-Herden miterleben.

Umso trauriger und betroffener macht es mich, dass die Artenvielfalt unser Welt nach wie vor von Jahr zu Jahr drastisch sinkt.

Hier ein Bericht des WWF über „Verlierer und Gewinner“ des Jahres 2017, anders gesagt ein Bericht darüber, welche Tier- und Pflanzenarten sich etwas erholten und welche Arten drastisch immer bedrohter wurden:

https://www.wwf.at/de/gewinner-und-verlierer-2017/

All diese Arten sollen natürlich alleine um ihrer selbst geschützt werden. Überdies sollte man aber auch Bedenken, dass mit dem Aussterben vieler Arten auch ungeahnte Chancen verloren gehen, Heilpflsnzen und Wirkstoffe, von denen indigene Völker oft profitieren und die möglicherweise etliche Leiden lindern oder heilen könnten.

Immenser wirtschaftlicher Schaden, wenn etwa die Bienen noch stärker dezimiert werden oder gar aussterben. In China müssen in manchen Gebieten nach lokalem Aussterben der Bienen Obstgehölze mühevoll händisch bestäubt werden. Abgesehen von den riesigen Kosten ist die menschliche Bestäubung wesentlich weniger effizient als der „Job“, den die Bienen tun. Und bei den Lohnkosten in Europa wäre händische Bestäuben für einen Spieldauern in der Steiermark wohl kaum leistbar….

Wie könnte sich das Leben auf der Erde in derart üppiger Pracht entfalten und wie kommt es, dass immer mehr Arten verschwinden?

Stimmt es, dass schon immer Tiere und Pflanzen ausgestorben sind? Wenn ja, warum ist die Situation jetzt dann so bedrohlich?

…und können wir selber etwas dagegen tun?

Am Anfang war das Nichts-die Urerde

Am Anfang war das Nichts-die Urerde

Nach dem URKNALL vor ca. 14 Mrd. Jahren entstanden  Materie, Raum und Zeit. Gas- und Staubwolken ballten sich zusammen- Sonnen (Sterne) und Planeten entstanden, so auch die Erde vor 4,6 Mrd. Jahren.

Die Ur-Erde war noch ein ziemlich unwirtlicher Planet. Nach einem Zusammenstoß mit einem etwa marsgrossen Planeten spaltete sich Materie ab, die sich zusammenballte und zum Mond wurde.

Auf der Ur-Erde war es glühend heiß. Immer wieder schlugen Himmeslköper ein und rissen die Oberfläche auf. Die Radioaktivität war extrem hoch. In dem feurigen Ball aus glühendem Gestein sanken schwere Elemente (Eisen und Nickel) in die Mitte des Planeten, leichtere wie Aluminium stiegen empor.

Langsam kühlte auch das glühende Magma ein wenig ab. Erst waren es dünne Flöße, die auf dem wabbernden Gestein trieben, dann überzog diese Kruste den heißen Planeten wie eine Haut.

Vor 4 Mrd. Jahren schließlich war die Erde endlich soweit abgekühlt, dass Wasserdampf in der Atmosphäre zu Wassertropfen kondensieren konnte. Der erste Regen fiel…

Diese Uratmosphäre bestand aus CO2, Schwefelverbindungen und Wasserdampf, schließlich umgebenDampfwolken den ganzen Planeten und der Gasmantel schützt ihn vor lebensfeindlich hoher UV-Strahlung und weiteren kleineren Himmelskörpern

Der erste Regen, der in diesen Anfangszeiten unseres Planeten fiel, verdampfte, aber irgendwann kühlte die Erde soweit ab, dass sich der Niederschlag halten konnte; mehr noch:

Das Wasser kann im festen Gestein nicht versickern und da es kaum Täler gab, verteilte es sich gleichmäßig über den Planeten.

Vor 4 Mrd. Jahren betrug der Wasserpegel auf der Erde rund 1900m!

Die Wassermassen waren bereits salzig: Zum einen trug der Dauerregen jene Salz-, Salpeter- und Schwefelsäuren, die mit den vulkanischen Ausdünstungen in die Atmosphäre gelangt en, wieder zur Erdoberfläche hinab. Zum anderen löste das Wasser Salze aus dem erstarrten Lavagestein.

Die Erde wurde zum Wasserplaneten…

Die Entstehung des Lebens

Die Entstehung des Lebens

Zur Entstehung des Lebens gibt es heute 3 Theorien:

  1. Das Leben stammt aus der Tiefsee; tatsächlich hat man in der Tiefsee Organismen gefunden, die auf 3,2 Mrd. Jahre datiert werden
  2. Das Leben kommt aus der Ursuppe, einem sauerstofffreien, mit organischen Molekülen angereicherten Urozean; die wohl bekannteste Theorie, gestützt vom „Miller-Urey Experiment von 1953 und einem neuen, modernen Experiment mit ähnlichen, noch aufschlussreicheren Ergebnissen
  3. Das Leben kommt aus dem All; diese Theorie wird vor allem vom Physiker Stephen Hawkin unterstützt

Die ältesten Fossilien sind 3,5 Mrd. Jahre alt. Zu dieser Zeit waren Ozeane und Atmosphäre noch immer ohne Sauerstoff, die ersten Bakterien gewannen ihre Energie entweder aus Gärung oder aus anorganischen Verbindungen wie manche Archebakterien.

Vor ca. 3,1 Mrd. Jahren „erfanden“ ein paar Bakterien die Photosynthese

Das ist die Photosynthese, wie wir sie heute kennen:

6 CO2 + 6 H2O + Lichtenergie C6H12O6  + 6 O2

Die ersten Bakterien haben wahrscheinlich aber kein Wasser gespalten, sondern Schwefelwasserstoff:

6 CO2 + 12 H2S + Lichtenergie C6H12O6  + 12 S       +6 H2O

Erst durch den Sauerstoff der photosynthetischen Wasserspaltung (ab 2,5 Mrd. Jahre nachweisbar) durch Die Blaualgen oder Cyanobakterien ist Leben in der Form, wie wir es heute kennen, möglich

Der anfangs gebildete Sauerstoff wurde aber noch nicht frei:

Das zuerst gebildete wasserlösliche Eisen (2+) wurde vom Sauerstoff zum Eisen (3+) in der heutigen Form oxidiert.

Präkambrium und Kambrische Explosion des Lebens

Präkambrium und Kambrische Explosion des Lebens

Vor 1,45 Mrd. Jahren tauchten die ersten Eukaryonten auf.

Eukaryonten sind Zellen mit Zellkern. Manche ihrer Zellorganellen (Chloroplasten und Mitochondrien) nahmen die Urformen der Eukaryonten vermutlich als „Endosymbionten“ auf, die schließlich zu Zellorganellen wurden. Die ersten Eukaryonten waren einfache Einzeller.

Im Präkambrium (4,5 Mrd. – 543 Mill. Jahren) tauchten vor etwa 1,2 Mrd. Jahren die ersten Vielzeller auf: vielzellige Algen aber auch einfache Tiere wie Quallen oder Schwämme.

Im Kambrium (542 bis 488 Mill. Jahren) passierte dann etwas erstaunliches: vor etwa 500 Mill. Jahren explodierte das Leben regelrecht, in den Meeren wimmelte es nun vor lauter Leben: Trilobiten, Würmer, Quallen..

Massenausterbe-Ereinisse

Massenausterbe-Ereinisse

Immer wieder im Laufe der Erdgeschichte kam es zu Aussterbewellen. Das Aussterben von Tieren und Pflanzen ist somit keine Neuerscheinung. Bekanntes Beispiel einer solchen Aussterbewelle war das Verschwinden der Dinosaurier vor etwa 65 Mill. Jahren am Ende der Kreidezeit. Forscher glauben, dass ein Komet das Ende der Urzeitriesen bedeutete, aber genau weiß das keiner…

Die Dinosaurier waren nicht die einzigen, die von einem Massenaussterben betroffen waren. Insgesamt spricht man von 5 Aussterbewellen in den letzen 600 Millionen jahren. Die Ursachen sind vielschichtig, eine Hauptrolle aber spielt meist vulkanischer CO2-Ausstoss mit anschließender Versauerung der Ozeane.

Vom Aussterben der Dinosaurier weiß heute fast jedes Kind. Das schlimmste Aussterbe-Ereignis jedoch fand vor 250 Millionen Jahren am Ende des Perm statt. Sie löschte schätzungsweise 95 Prozent aller damaliger Lebensformen für immer aus.

Aber auch die globale Vereisung „Schneeball Erde“ am Ende des Präkambriums löschte bis zu 97% allen damaligen Lebens aus.

Die schlimmsten Massenausstebe-Ereignisse:

1.Vor 490 Millionen Jahren am Ende des Kambriums: Rund 80 % aller Tier- und Pflanzenarten starben aus

2.vor ca. 360 Millionen Jahren im oberen Devon Erneut starben 50 % aller Arten aus, darunter einige Fische, Korallen und Trilobiten

3.vor ca. 251 Millionen Jahren an der Perm-Trias-Grenze: Die meisten Tiere starben gegen Ende des Perm; 95 % aller meeresbewohnenden Arten sowie ca. 66 % aller landbewohnenden Arten (Reptilien- und Amphibienarten) starben aus

4.vor ca. 200 Millionen Jahren am Ende der Trias: 50 bis 80 % aller Arten, unter anderen fast alle Landwirbeltiere, starben aus

5.vor ca. 65 Millionen Jahren an der Kreide-Tertiär-Grenze (gleichzeitig Übergang vom Erdmittelalter zur Erdneuzeit): wieder starben rund 50 % aller Tierarten aus, darunter auch die Dinosaurier

Artenvielfalt und Aussterben heute

Artenvielfalt und Aussterben heute

Die momentane Aussterberate von schätzungsweise 3 bis 130 Arten pro Tag liegt 100 bis 1000 mal über dem natürlichen Durchschnittswert. Während wir dem Überfluss frönen, leben wir in in einem Zeitalter des unglaublichen Verlustes:

  • 75 % der weltweit kommerziell genutzten Fischbestände sind voll ausgeschöpft oder werden übernutzt.
  • Drei Viertel der genetischen Vielfalt von landwirtschaftlich genutzten Kulturpflanzen sind verschwunden.
  • 40 % der in Europa vorkommenden Tierarten stehen auf der roten Liste, sind also gefährdet. Spitzenreiter sind Amphibien und Reptilien mit je 78- 79%.
  • Weltweit sind jede dritte Fisch-, jede achte Vogel- und jede vierte Säugetierart akut gefährdet.
  • Gemäss dem „Living Planet Report 2010“ des WWF bräuchten wir die Ressourcen von 2,8 Erden, wenn alle Menschen auf der Welt so wie wir „Westländler“ leben würden.
  • Weltweit werden demnach täglich Tiere und Pflanzen ausgerottet- und das, obwohl noch längst nicht alle Arten entdeckt sind! Manche Arten werden so für immer verschwinden, ohne je entdeckt worden zu sein. Allein im Amazonas wurden seit 2001 1200 neue Tierarten entdeckt, das entspricht 3 neuen Arten pro Tag!

17 Prozent der Waldfläche Amazoniens wurden in den vergangenen 50 Jahren zerstört – ein Gebiet doppelt so groß wie Spanien.

Gründe für das weltweite Artenaussterben & Ausblicke für die Zukunft

Gründe für das weltweite Artenaussterben & Ausblicke für die Zukunft

Gründe für das weltweite Artenaussterben sind:

  • Trophäenjagd (Nashorn, Tiger)
  • Zerschneiden und Zerstören von Lebensraum
  • Meeresverschmutzung (Öl, Plastik)
  • Klimawandelund die Folgen wie Übersäuerung der Ozeane
  • Überfischung und rücksichtsloser Massentourismus

Ausblicke in die Zukunft:

Um die Artenvielfalt des Planeten langfristig zu erhalten, gilt es zu handeln!

  • Klimaschutz (ist Artenschutz UND Menschenschutz!)
  • Erhaltung natürlicher Lebensräume
  • Förderung kleinstrukturierter Landschaft- Biolandwirtschaft statt Agrarindustrie
  • Grundlagenforschung, ev. Nachzuchten
  • Schutz von Feuchtgebieten und anderen sensiblen Biotopen
  • Schutz der Regenwälder und Weltmeere
  • Aufklärung der lokalen Bevölkerung
  • Stärkung der lokalen Wirtschaft
  • Ökotourismus mit Unterstützung der Anrainer (aus Wilderern werden z.B. Nationalpark-Ranger)
  • Kein Kauf oder Handel mit geschützten Tieren (oder Teilen von ihnen)
  • Kein Kauf von Produkten aus Tropenhölzern
  • Vermeidung von Produkten aus Palmöl
  • Bevorzugter Kauf von Produkten aus ökologisch- und sozial fairem Handel (Bio-Produkte, Produkte mit Transfair- Siegel)
  • Heimischen Produkten den Vorzug geben (Forelle statt Tiefsee-Fisch )

          Generell: Augen auf beim Kauf! 

Wenn wir ie großartige Vielfalt unserer Welt erhalten wollen, müssen nicht nur Politiker/innen jetzt handeln!

Wir alle haben es in der Hand. Und es ist auch nicht Zeit, zu resignieren. Auch wenn es für manche Arten arg eng aussieht: Die Natur kann sich immer wieder erholen und wir alle können zum Erhalt der Natur- und Artenvielfalt beitragen- und das beginnt bei uns zuhause:

  • Wir können entscheiden was in unserem Einkaufskorb landet und was nicht!
  • Wir können entscheiden, womit wir Pflanzen im Garten behandeln und womit nicht!
  • Wir können Umweltschutzorganisationen wie den WWF oder Greenpeace unterstützen, denn gemeinsam erreichen wir mehr!
Irrawaddy Delfine in Kratie

Irrawaddy Delfine in Kratie

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