Makrofotografie im Dezember-Eine Wespenkönigin & Wüstenheuschrecken

Wüstenheuschrecke-Portraits
Eine Wespe im Dezember?

Um Weihnachten herum verirrte sich eine unglückliche Wespenkönigin in unsere Wohnung. Was macht eine Wespe mitten im Winter?

Eine Wespe im Winter ist ein höchst ungewöhnliches Ereignis. An sich geht der Wespenstaat  im Herbst zugrunde. Die alte Königin stirbt den Erschöpfungstod und auch die Arbeiterinnen sterben nach und nach.

Wie überleben Wespen den Winter?

Nur die jungen Königinnen suchen sich einen frostsicheren Unterschlupf (z.B. in Dachböden oder Baumhöhlen) und überleben als Einzige den Winter.

Die Wespenköniginnen haben in ihrem Blut auch eine Art „Frostschutzmittel“ (eine Glykol-Hastige Verbindung- wie auch die Marienkäfer), dennoch überleben die meisten von ihnen den Winter nicht, werden von hungrigen Tieren gefressen, werden Opfer von Schimmelpilzen oder vom Menschen entdeckt.

Ein neuer Wespenstaat entsteht

Wenn die Temperaturen für längere Zeit bei etwa 15°C liegen, erwachen die Wespenköniginnen aus ihrer Winterstarre. Sie suchen sich Kohlenhydrat-reiche Pflanzennahrung: Blütennektar oder Säfte blutender Bäume oder Sträucher oder die aufbrechenden Blattknospen an Bäumen und Gehölzen.

Frisch gestärkt suchen die jungen Königinnen nun ein gesegnetes Plätzchen, um einen neuen Staat zu gründen. Das kann eine Baumhöhle sein, ein Dachboden oder eine Baumhöhle oder geschützter Raum hinter der Fassade eines Hauses.

Nun kommt ein sehr arbeitsintensiver und anstrengender Teil für die Jungköniginnen:  Sie suchen morsche Holzstämme oder verwitterte Holzbretter und raspeln mit ihren kräftigen Mandibeln (Kieferzangen) winzige Holzfasern herunter, die sie mit Speichel zu einer Art Papier vermengen. An dem gewählten Standort für den neuen Staat wird aus diesem Material dann das neue Nest gebaut.

Zuerst bauen die Königinnen den Aufhänger des künftigen Nestes. Anschließend bauen sie Wabe für Wabe und an deren Wände kleben sie ein Ei. Über die Waben bauen die Tiere eine schützende Außenschicht. Laufend vergrößern die Königinnen ihr neues Königreich, bauen Innenlagen ab und nach außen weiter.

Auch müssen die Wespenköniginnen permanent darauf achten, dass das Nest die richtige Temperatur hat, die Waben mit Wasser benetzen und durch Flügelschlag einen kühlenden Luftstrom erzeugen oder auch die Waben wärmen- durch eine besondere Flügelschlagtechnik.

Zwischen Mai und Juni schlüpfen die ersten Larven. Sie werden mit eiweißreichem Insektenfleisch gefüttert. Auch so manches geklaute Stück Fleisch, dass die Wespe vom Abendessen auf dem Balkon erbeutet, wird an die hungrige Brut verfüttert.

Die Wespenkönigin hat nun echt viel zu tun: Hungrige Larven füttern und laufende Umbauarbeiten am Nest

Ende Juni oder Juli sind die ersten Larven ausgereift und spinnen sich einen dichten Kokon, in dem sie etwa zwei Wochen als Puppe verharren- während der Umbau von der Larve zum fertigen Insekt erfolgt.

Kooperative Phase im Wespenstaat

Die ab Juli schlüpfenden Wespen (Insektenweibchen) sind Arbeiterinnen. Sie sind deutlich kleiner als die Königin und haben verkümmerte Eierstöcke. Sie übernehmen nach und nach die anfallenden Aufgaben im jungen Wespenstaat, wie Beutefang, Nesterweiterung, Brutpflege, Nestklima. Da diese Arbeiten von den Arbeiterinnen und den Königinnen gemeinsam (also kooperativ) erledigt werden, nennt man diese, eher kurze Phase im Bestehen eines Wespenstaates als kooperative Phase.

Soziale Phase im Wespenstaat

Sobald 10 – 15 Arbeiterinnen geschlüpft sind, konzentriert die Königin nur noch aufs Eier legen und fliegt nicht mehr aus. Sie wird jetzt von den Arbeiterinnen versorgt, geputzt und behütet.

Arbeiterinnen im Nest werden von ihren ausfliegenden Schwestern versorgt, wobei erwachsenen Wespen süße, kohlenhydratreche Kost bevorzugen und Larven mit eiweißreicher, tierischer Nahrung gefüttert werden.

Ab August werden größere Zellen für die Geschlechtstiere gebaut. Aus ihnen schlüpfen fruchtbare Weibchen (die späteren Königinnen) und – aus unbefruchteten Eiern – die Männchen. Nach dem Schlüpfen verbleiben die Geschlechtstiere noch einige Zeit im Nest, beteiligen sich jedoch nicht am Gemeinschaftsleben, sondern lassen sich von ihren Schwestern füttern.

Hochzeitsflug und Niedergang des Wespenstaats

Im September oder Oktober findet der Hochzeitsflug der neuen Königinnen statt.

Die alten Königinnen sterben an Erschöpfung, der Staat löst sich auf, weil die Königin keine Eier legen kann, die Larven und Puppen werden oft aufgefressen oder sich selbst überlassen.

Alle Arbeiterinnen sterben nach und nach- nur die befruchteten Königinnen suchen sich ein Plätzchen zum Überwintern….

Eine Jungkönigin als Weihnachtswespe

Unsere Weihnachtswespe war auch ein besonders großes Exemplar, eine Jungkönigin. Wahrscheinlich weckten sie die milden Temperaturen aus der Kältestarre und das Tier wurde hungrig und begab sich auf Nahrungssuche.

Wespen sind im Gegensatz zu Bienen keine strikten Veganer. Auf ihrem Speiseplan stehen neben Nektar, Pollen, Steinfrüchten und Pflanzensäften auch tierische Produkte, z.B. andere Insekten- unter anderem Stechmücken und andere bei Menschen nicht besonders beliebte Gesellen. Erfahrungsgemäß finden sich aber weder Insekten noch süße Früchte im Winter, so flog das Insekt auf der Suche nach Fressbarem oder um sich zu wärmen durch das zum Lüften geöffnete Fenster in die Wohnung und schwirrte, laut brummend, am Fenster hoch und runter. Raus-scheuchen, wie im Zimmer lassen, würde für das Insekt den sicheren Tod bedeuten.

Ich gebe zu: das Umschwirrt-werden von Wespen beim Kaffe-Plausch im Garten stört mich oft immens, besonders wenn Freunde oder Familienmitglieder anwesend sind, die sogar beim Anblick einer harmlosen Schweflige- die ja nur vorgibt eine Wespe zu sein- panisch werden. Ich schätze allerdings an den gelb-schwarz gestreiften und nicht gerade besonders beliebten Insekten, dass sie im Sommer oft raue Mengen an Gelsen verzehren- und die sind auch nicht gerade meine besten Freunde.

Ich ließ das Tier also vorerst in der Wohnung- aber schon am nächsten Tag lag die Wespe verendet am Fensterbrett.

Makromotive im Dezember

Obgleich die unglückliche Wespenkönigin schon verendet war, sollte mir die tote Wespe noch als Makro-Modell nützlich sein. Und was kommt noch so im Winter vor die Makro Linse (zumal es mangels Schneefall auch keine Schnee- und Eiskristalle gibt)? Die Bewohner des Terrariums natürlich! Die freundlichen Bartagamen und deren hübsche Beutetiere, bunte Wüstenheuschrecken.

Ich finde ja fast, eine Wespe im Dezember müsste mindestens genau soviel Glücksbringer sein, wie ein Schornsteinfeger oder ein vierblättriges Kleeblatt, auch wenn das die arme Wespenkönigin gewiss anders sah!

In diesem Sinne wünsche ich all meinen Leserinnen und Lesern

Einen Guten Rutsch ins Neue Jahr 2018 und ein erfülltes Jahr 2018!!!

Aufgenommen habe ich die Makrofotos mit meiner Canon EOS 750D; mit einem günstigen 50mm Objektiv von Yongnuo in Retrostellung unter Verwendung eines automatischen Movo Photo Retrorings.

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