Die vielen Gesichter des Palmöls

Hornrabe im Cat Thien Nationalpark
Ökologisch, nachhaltig und palmölfrei leben

Mein Sohn und meine Tochter sind mittlerweile richtige Umwelt- und Öko Gurus. Mit 12 Jahren ist meine Tochter seit zwei Jahren Vegetarierin (Pescetarierin), achtet beim Einkaufen darauf, palmölfreie und ökologische Produkte in den Einkaufswagen zu legen und ermahnt auch mal mich, wenn ich unbeabsichtigt ein Produkt mit Palmöl gekauft habe, weil ich es einfach übersehen habe. Bei ihrer Kleidung verzichtet sie lieber auf eine In-Marke und achtet darauf, bei „möglichst guten“ Shops zu kaufen. Ein Check bei „rankabrand“ , vorher will sie in ein bestimmtes Geschäft gar nicht gehen.

Ihr älterer Bruder, bald 15, ist zwar kein Vegetarier, ißt aber nur Fleisch aus biologischer Haltung, achtet darauf seinen Konsum sehr zu reduzieren (er will nur kaufen, was er wirklich braucht) und ist äußerst kritisch bei seiner Meinungsbildung. Egal ob es sich um ökologische, politische oder wissenschaftliche Themen handelt. Er recherchiert akribisch genau im Internet und wiegt verschiedene Aspekte, Pro- und Contras ab.

So hat er mich letztlich in eine Diskussion um Palmöl verwickelt.

Wie leben nun ja schon seit gut vier Jahren soweit es geht palmölfrei. Sicher, im Laufe dieser Zeit haben sich etliche Produkte mit Palmöl in unseren Haushalt geschlichen, oft haben wir (auch ich) das Palmöl schlicht übersehen, z.B. in einem fertigen Tsatsiki, in dem ich einfach kein Palmöl vermutete und deshalb im Geschäft nicht auf die Zutatenliste achtete usw.

„Gutes Palmöl“? „Böses Palmöl“? Oder gibt es überhaupt „Gutes Palmöl“?

Worum es geht, ist etwa der Ansatz des WWF, „Gutes Palmöl“ zu unterstützen, damit jene Bauern und Bäuerinnen forciert werden, die sich für einen verantwortungsvollen, nachhaltigen Palmölanbau einsetzen. Dieses Palmöl ist Bio und muss, um nachhaltig zu sein auf alle Fälle von Plantagen sein, die sich nicht auf frisch gerodeter Regenwaldfläche befinden.

Dem Ansatz des WWF steht die Plattform „Rettet den Regenwald“gegenüber, die davon ausgeht, dass es kein „Gutes Palmöl“ gibt.

Beide Positionierungen haben ihre Berechtigung. Ich denke, dass es auf alle Fälle wichtig wäre, ein Siegel einzuführen, die dem kritischen Konsumenten/der kritischen Konsumentin zeigt, dass das gewählte Produkt Palmöl aus nachhaltiger Wirtschaft enthält. Die Regenwald Foundation etwa hat Kriterien für ein solches Siegel zusammengestellt. Ähnliche Siegel gibt es bereits für Fisch (MSC), für Holz (FSC)und natürlich für Produkte aus biologischer Landwirtschaft oder für fair gehandelte Produkte. Natürlich, auch solche Siegel können umgangen werden, gibt es „schwarze Schafe“ unter Biobauern oder berechtigte Kritik an gewissen FSC Siegel-Vergaben. Dennoch bieten diese Siegel eine Orientierung für Konsument/innen.

Ich persönlich werde zumindest solange auf Palmöl verzichten, solange es dieses Siegel nicht gibt. Auch ein Palmöl aus biologische Produktion kann aus einer Farm stammen, die auf einer Fläche steht, die erst kürzlich dem Regenwald durch Rodung entrissen wurde und somit für mich keine Option darstellt.

Palmöl-Gesundheit

In vielen Lebensmitteln- vor allem Fertigprodukten- steckt Palmöl. Das Öl findet sich in Margarine, aber auch in Produkten für Veganer/innen wie in Soja Würsten. Palmöl ist Bestandteil von Baby Nahrung, Keksen, Schokolade, Fertigsuppen….und steckt eigentlich fast überall drin.

Längst häufen sich Berichte, dass Palmöl nicht nur für die Regenwälder nicht gut ist, sondern auch der Gesundheit schade. Viele Krankheiten werden mit unserem Konsum von Palmöl in Zusammenhang gebracht. Eine Greenpeace Studie warnt davor, insbesondere Kindern Produkte zu geben, die Glycidol enthalten. Glycidol entsteht bei der Herstellung von Palmöl und laut Greenpeace ist der Stoff, für den noch keine Richtlinie für die höchstzulässigen Mengen vorliegen, krebserregend und erbgutschädigend. Blöd, dass gerade Produkte, die Kinder lieben, wie z.B. manche Milka Schokoladen betroffen sind…

Biodiesel

Im November 2004 wurde in Österreich die Biokraftstoff-Richtlinie umgesetzt. Seit 1. Oktober 2005 müssen 2,5 % der gesamten in Verkehr gebrachten fossilen Otto- und Dieselkraftstoffe durch Biokraftstoffe ersetzt sein (Zielerreichung durch Beimischung von knapp 5 Volumsprozent Biodiesel zu Dieselkraftstoffen). Am 1. Oktober 2007 erhöhte sich der Prozentsatz auf 4,3 % (zusätzliche Beimischung von Bioethanol zu Ottokraftstoffen), Ab 1. Oktober 2008 war das Richtlinienziel von 5,75 % zu erreichen.

Klingt ja prinzipiell ganz gut. Biodiesel bzw. Biotreibstoff ist kein fossiler Treibstoff, ist also zumindest grundsätzlich CO2 neutral. Das Problem ist aber, dass Biotreibstoff einerseits in Konkurrenz zu Nahrung steht- die Industrieländer importieren Biokraftstoff oft aus Ländern, wo Lebensmittelknapp sind und jetzt zusätzlich Anbauflächen für Biotreibstoff weichen müssen. Außerdem unterliegt Biokraftstoff nicht der Lebensmittelkontrolle, Dünge- und Spritzmittel oder der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen müssen noch weniger reglementiert werden- schlecht für die Umwelt. Das Hauptproblem an Biodiesel aber ist, dass 42% des weltweit verbrauchten Palmöls in in die Biotreibstoff-Produktion fließt. 17% des Palmöls werden in der Industrie verarbeitet ( z.B. Kosmetika) und 33% in der Lebensmittelproduktion. Wobei zu bedenken ist, dass 8% des produzierten Palmöls in die Futtermittel-Produktion fließen. Palmöl aus der Futtermittel-Produktion für Nutztiere landet dann doch wieder auf unseren Tellern.

In der Zeit online vom 30.08.2016 findet sich eine Übersicht, welche Konsumgüter wie viel Palmöl (prozentuell) enthalten, ermittelt aus WWF-Daten:

Palmöl für einzelne Konsumgütergruppen

Palmöl für einzelne Konsumgütergruppen

Man sieht: Treibstoff macht den Löwenanteil, gefolgt von der Lebensmittelproduktion.

Fazit

Was ist also das Fazit nach langer Palmöl-Recherche?

Palmöl ist für die Industrie ein sehr kostengünstiges Öl- leider auf Kosten des Regenwaldes- und somit des globalen Klimas.

Palmöl ist in der Kosmetik ein sehr beliebter Rohstoff. Auch manche private Seifensieder/innen lieben Palmöl wegen seiner schäumenden Wirkung in den Seifen. Aber es gibt Alternativen: Mischungen aus heimischen Ölen und eventuell Kokosöl.

Palmöl in unseren Lebensmitteln ist nicht nur ein ökologisches Problem, sonden birgt gesundheitliche Risiken, wie industrieunabhängige Studien zeigen.

Palmöl als Treibstoffzusatz („Biodiesel“) ist meine Meinung nach ein ökologischer Betrug und völlig absurd!

Ist Palmölfrei die Lösung oder ist kein Palmöl auch keine Lösung, wie der WWF meint?

100% palmölfrei leben geht wahrscheinlich gar nicht mehr. Palmöl ist in so vielen Produkten enthalten und auch die Fahrt mit dem Autobus macht mich zur Palmöl Konsumentin.

Ich werde es wie bisher beibehalten, soweit wie möglich palmölfrei zu leben und erst dann (wenn überhaupt) nach „Palmöl-Produkten“ greifen, wenn es ein glaubwürdiges Siegel für die Produktion von nachhaltigem, „regenwaldfreiem“ Palmöl gibt.

Hornrabe im Cat Thien Nationalpark

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