Seifen Upcycling: DIY Seifenreste Verwertung

Wuff II- Olivenöl-Kokos-Glycerinseife

Wer Seife selber rührt, kennt das Problem: Nicht immer gelingt die Seife so, wie man will oder man entdeckt plötzlich in einem Karton eine Charge vergessener Seife. Oder man bekommt von Freunden und Bekannten Seife geschenkt, die man eigentlich nicht benötigt. Wegwerfen verbietet das ökologische Gewissen. Ewig lagern bringt auf Dauer auch nichts. Also was tun mit alten Schätzen? Hier ein paar Tipps zur Wiederverwertung alter Seifenreste, quasi “Seifen-Upcycling”

Für die einzelnen Rezepte bitte in die Überschriften klicken!

Flüssigseife aus Seifenresten

Zutaten Zubereitung
  • 1000 g Stückseife
  • 50 g Glyzerin
  • 1 Liter destilliertes Wasser
  • 1EL Mandelöl- (wenn gekaufte Seife oder Kernseife verwendet wird, mehr: auf 100g Seifen würde ich dann 10g Mandelöl oder ein anderes hochwertiges Öl geben.
  • ev. ätherischeÖle zum Beduften

Flüssigseife aus Resten

Flüssigseife aus Resten

Mit einer Reibe die Seifenreste grob raspeln.

Gemeinsam mit dem Wasser und Glycerin wird die geraspelte Seife nun in einem großen Kochtopf erhitzt. Nicht  kochen!

Den Topf immer im Auge behalten: Übergehende oder angebrannte Seife bereitet eine Riesensauerei in der Küche und stinkt penetrant!

Mit einem Stabmixer mixen wir nun den Brei zu einer homogenen Masse.

Den Brei nun über Nacht kühl stellen. Mandelöl und ätherische Öle zugeben und nochmal durchmixen.

Wenn die Seif zu dünnflüssig ist noch etwas Seifenflocken zugeben, wenn sie zu fest ist, noch etwas (destilliertes) Wasser.

In Seifenspender füllen.

Tipp: Man kann der Flüssigseife auch etwas Milchsäure zusetzen. Vorsicht: Milchsäure ist ätzend- mit Schutzbrille und Handschuhen arbeiten. Man kann so den pH Wert etwas senken. Unbedingt mit pH Messstäbchen den pH Wert kontrollieren! Nachteil: die Konsistenz verändert sich, etwas Emulgator kann diese wieder verbessern.

Die Haut hat einen pH Wert von etwa 5,5. pH hautneutrale Produkte haben somit einen pH Wert von 5,5. pH neutral ist Wasser mit einem pH Wert von 7. Seifen heben haben einen pH Wert zwischen 8 und 10, sind also leicht basisch, werden mit dem Reifen immer milder (wenn alles NaOH mit Fett verseift ist). Nach Ansicht vieler Naturseifenliebhaber ist das aber nicht so störend, weil Leimseifen dafür überfettet und somit rückfettend sind.

Putzseife/Kernseife aus Seifenresten

Wenn zu Zeiten unserer Großeltern oder Urgroßeltern Seife gesiedet wurde, dann waren das andere Voraussetzungen und auch die Rezepte waren dementsprechend anders. Man verwendete nicht, wie heute üblich, hochwertige Pflanzenöle, sondern tierische Abfallfette, meist Schlachtabfälle. Oft wurde die Lauge aus Holzasche gewonnen, man wußte also nicht genau, wie viel Lauge man hatte, bzw. wie “scharf”, also basisch diese Lauge war.

Man arbeitete mit Überschusslauge, die dann ausgesalzen wurde. Übrig blieb der Seifenkern (die “Kernseife”). Kernseife ist somit nicht besonders pflegend oder hautschonend, wie oft fälschlicherweise angenommen wird, sondern besonders gut reinigend und eignet sich deshalb sehr gut als Putzseife oder zum Vorwaschen z.B. verschmutzter Hemdkrägen. Auch Geschirr lässt sich mit Kernseife gut spülen.

Man kann nun natürlich aus seinen Rohstoffen gleich Kernseife sieden oder- man verwendet alte Seifenreste, auch solche, die vielleicht ranzig geworden sind oder Duft und Farbe verloren haben.

Herstellung:

Vorsicht! Auch hier muss man mit Lauge arbeiten, Schutzbrille und Handschuhe nicht vergessen!

Einen großen Kochtopf (nicht aus Aluminium!) bereitstellen, der Topf sollte mindestens 8l Fassungsvermögen haben (ich verwende einen alten Schnellkochtopf, der passt bei der angegebenen Menge-noch).

Am besten man raspelt seine Seifenreste in kleine Stücke. Mit größeren Stücken dauert der folgende Prozess wesentlich länger.

Auf 1 kg Seifenraspel bzw. Seifenflocken kommen 2kg (Liter) destilliertes Wasser oder Regenwasser.

Da kaltgerührte Leimseife eigentlich immer überfettet ist, Kernseife aber 0% überfettet, muss das überschüssige Fett raus. Je nach Übersetzung benötigt man nun mehr oder weniger starke Lauge. Ich überfette meist mit 4-5%. Auf 1kg (=1000g) Seifenflocken kommt somit 50g Fett, dass erst verseift werden muss. Wer mit 10% überfettet, hat 100g unverseiftes Fett auf 1kg Restseife. Da wir nun unterschiedliche Öle/Fette haben wird es schwer, die benötigte Menge lauge genau zu berechnen. Es ist nicht so schlimm, wenn man jetzt etwas zuviel NaOH nimmt, die Lauge wird ohnehin ausgesalzt. 40-50g NaOH in 150g Wasser gelöst, sollten alles Überschussfett verseifen.

Die Seifenflocken werden also gemeinsam mit dem Wasser ersitzt. Vorsicht, dass nichts anbrennt! Angebrannte oder uberschäumde Seife stinkt höllisch!

Zu dem Seifenbrei kommt nun die Lauge und unter Rühren sollte sich eine homogene Masse bilden.

Zu dem Seifenbrei gibt man nun soviel Salz, bis sich der Brei von seiner Unterlauge trennt. Der Seifenbrei wird abgeschöpft, die Unterlauge weggeschüttet.

(Die Unterlauge konnte man früher verkaufen. Sie enthält Glycerin, welches herausdestilliert wurde und dann z.B. in Nitroglycerin-also für die Sprengstoffherstellung Verwendung fand.)

Der Seifenbrei wird wieder mit soviel Wasser wie im ersten Vorgang aufgesetzt (bei 1kg Seifenflocken: 2kg Wasser), erneut erhitzen und rühren, bis wieder eine homogene Masse entsteht. Nun zum zweiten Mal aussalzen: Salz zugeben, bis sich der Seifenkern von der Unterlauge trennt. Die Seife nun abschöpfen und in Formen pressen, das überschüssige Wasser weggießen, noch weich in Stücke schneiden und 3-4 Wochen trocknen lassen. Früher hat man oft noch ein drittes Mal ausgesalzt, bis man reinreiße Kernseife hatte, die dann sehr lange haltbar war.

Die fertige Kernseife ist nicht besonders schön, weder von der Form noch von der Farbe und sie duftet auch nicht, aber sie eignet sich gut zum Putzen und kann im Haushalt vielfältig verwendet werden!

Kreative Einleger aus Seifenresten für neue Seifen

  • Konfettiseife: Seifenreste können in kleine Würfel geschnitten werden und unter den Seifenleim neuer Seife gerührt werden. Ergibt lustig-bunte Farbtupfer in der Seife
  • Ausstecherseife

Aus Seifenresten können mit Ausstechen (z.B. Keksaustechern) Formen gestochen werden. Diese ausgestochenen Seifenteile stapelt man nun aufeinander.

Für die neue Seife gießt man zuerst eine Lage Seife in die Form (eventuell lässt man diese andicken), legt die gestapelten “Ausstechen-Seifenstücke”) darauf und bedeckt alles wieder mit Seifenleim.

Am besten bei 50 Grad für eine Stunde ins Backrohr, damit die Serife schön gelt und sich alles gut verbindet.

Man kann so wunderschöne Motivseifen, Osterseifen, Weihnachtsseifen oder Seifen für Halloween gestalten- je nach Form des Ausstechers.

Seifensteine aus Seifenresten kneten (nicht nur) für Kinder

Ein ungefährlicher Seifenspaß, auch für Kinder; da der Umgang mit NaOH für kleine) Kinder zu gefährlich ist, gekaufte Glycerinseife mit hautpflegender Naturseife aber nichts zu tun hat, gibt es eine nette Möglichkeit mit Kindern Seife zu “basteln” und dabei noch alte Seifenreste zu verwerten.

Man benötigt nur Seifenreste, Wasser (oder Kräutertee), etwas Mandel- oder Avocadoöl, ev. Lebensmittelfarbe

Zutaten

Zubereitung

  • 250 g Seifenflocken
  • 50g Warmes Wasser oder Kräutertee für Kräuterseife (6EL)
  • 10g Mandelöl
  • ev. ätherische Öle zum Beduften und/oder Lebensmittelfarbe

Seifenstücke grob reiben.

Diesen Schritt machen am besten Erwachsene, um verletzte Kinderfinger zu vermeiden!

Seifenflocken, Wasser, Mandelöl und ätherische Öle zum beduften in eine Rührschüssel geben und gut durchkneten. Möchte man die Seife neu einfärben, gibt man auch die Lebensmittelfarbe dazu. Wem man eine Marmorierung wünscht, die Masse teilen, verschieden einfärben und grob zusammenkneten.

Die Masse ist sofort gebrauchsfertig, benötigt aber ein paar Tage (3-4 Tage) zum durchhärten.

Einige Tropfen an Zusatz- und Wirkstoffen (z.B.Aloe Vera Extrakt, kamillenextrakt, Shesbutter,…), können die Seifen aufwerten und hübsch verpackt zu wahren Schätzen für z.B. Muttertag machen. Auch können getrocknete Kräuter eingeknetet werden.

Alternativ zum Formen vor Seifensteinen, kann die Masse wie Teig ausgerollt und mit Keksausstechern kleine Seifen ausgestochen werden oder man presst die Seife in Silikonformen.

Seifensteine

Seifensteine

Seifenreste einschmelzen

Manchmal passiert es einfach- die Seife ist nach bestem Wissen und Gewissen gerührt, dennoch sieht sie unschön aus oder riecht sie komisch. Bei manchen Unfällen-etwa wenn undefinierbare Flüssigkeit austritt (mit pH Streifen testen- könnte Natronlauge sein!) oder wenn wenn kleine Kristalle sichtbar werden (ebenfalls mir pH Messstreifen austesten- könnte auch ungelöstes NaOh sein) taugt die Seife nur als Rohstoff für Putzseife.

Seife, die gerinnt (z.B. Wei ihr zu warm geworden ist- da teilt sich manchmal der Seifenleim in Öl und Seifenflocken) oder einfach nur unschön ist, kann auch wieder eingeschmolzen werden.

Dazu Seife grob raspeln und mit destilliertem Wasser (bei frisch gerührter Seife benötigt man weniger Wasser als bei alten Seifenstücken langsam erhitzen (nicht kochen) bis die Seife schmilzt. Die Masse sollte ein homogener Seifenbrei werden. Ist die Masse zu fest, etwas Wasser zugeben. Man kann die Seifenflocken und Wasser auch in einen feuerfesten Topf geben und im Backrohr bei 60 Grad schmelzen lassen.

Der so entstandene Seifenbrei ist etwas fester als frisch gerührte Seife und lässt sich weniger gießen als in Formen pressen.

"Schmelz-Seife"

“Schmelz-Seife”

Man kann die Seife natürlich noch einfärben oder bedurften. Sie eignet sich für Schichtseife oder man kann auch kleinwürfelig geschnittene Seifenreste für Konfettiseife (siehe oben) einrühren.

Seife einfilzen

Manchmal rührt man Seife aus hochwertigsten Zutaten und die marmorieren misslingt oder die Farbe entpuppt sich als unanehlich oder der Leim dickt zu schnell ein und so wird die Seife nur ein unschönes Ding.

Man könnte hier abhelfen, indem man hochwertige Duschseife einfilzt:

Sie benötigen Filzwolle und Filznadeln und…natürlich die “verpfuschte” Seife.

Seife mit Filzwolle umlegen, Filzwolle festhalten und mit feinen Stichen mit der Filznadel die Filzwolle in die Seife einarbeiten.

Mit etwas Hilfe schaffen Nadelfilzarbeiten schon jüngere Kinder ab ca. 5 Jahren. Allerdings sollte man die Nadel immer gut im Auge behalten und die Kinder nur arbeiten, solange die aufmerksam sind. Nadelstiche mit der Filznadel tun sehr weh!

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