Dreierlei Seifen: feine Rosenseife fürs Gesicht, Schmierseife und Zahnseife

Rosenseife

Langsam aber sicher geht der Vorrat an selbstgerührter Seife aus. Manche Restbestände der von mir gerührten Seifen sind schon einige Jahre alt, aber immer noch gut. Vielleicht haben sie an Duft und Farbe verloren, aber schäumen und pflegend reinigen tun sie als wären sie ganz frisch. Aber auch Weihnachten naht, und da brauche ich für meine Familie und liebe Freund/innen ohnehin ein paar Geschenke. So habe ich meine freien Tage um Allerheiligen genutzt und mich wieder mal ans Seife rühren gewagt. Auch andere Kosmetikartikel sind in dieser Zeit entstanden.

Für die einzelnen Rezepte bitte die Überschriften anklicken!

Rosenseife für Gesicht und empfindliche Haut

Als Seifenform eignet sich für den Anfang eine ausgewaschene und abgetrocknete Milchpackung, die man oben großzügig aufschneidet. Später kann man Siliokonformern (z.B. Muffinformen) oder spezielle Kastenformen zum Seifemachen kaufen. Die sind dann auch stabiler als die Milchpackungen. Schöne Seifenformen gibt es etwa bei http://www.lumbinigarden.de/

Zutaten Zubereitung
  • 400g Olivenöl
  • 250g Kokosöl
  • 200g Sheabutter
  • 100g Sonnenblumenöl
  • 350g destilliertes Wasser
  • 131g NaOH
  • 6 TL Zucker (für den Schaum)
  • 3 TL Kochsalz
  • etwas Seifenpigment oder Lebensmittelfarbe
  • 10g Öl zum Abmischen der Farbe
  • Ätherisches Rosenöl zum Bedurften der Seifte
Schutzbrille aufsetzen und Schutzhandschuhe anziehen!

Waage, Gefäße, Duftöl, Farbe, Löffel, Stabmixer und eventuell Schneebesen griffbereit legen.

Mit einer grammgenauen Waage feste Öle abwiegen und langsam bei geringe Hitze Hitze zum Schmelzen bringen. Topf beiseite stellen.
Flüssige Öle genau abwiegen und zu den verflüssigten Fetten geben.
Wasser abwiegen, NaOH abwiegen und langsam in das Wasser rühren. Vorsicht! Spritzer vermeiden, Dämpfe sind ätzend, nicht einatmen!
Keine Gefäße aus Aluminium für die Lauge verwenden und nichts aus dünnen Plastik wie Joghurtbecher: Die Lauge wird so heiß, dass ein Joghurtbecher schmelzen kann und verträgt sich nicht mit Alu. Daher Emailtöpfe, Edelstahltöpfe oder stabile Plastikbehälter verwenden.

Immer das NaOH ins Wasser geben und nicht umgekehrt

(MERKE: Erst das Wasser, dann die Lauge, weil sonst spritzt Dir was ins Auge!)

Die NaOH-Lauge und die Öle abkühlen lassen. Idealerweise auf ca. 40°C. Ich schätze die Temperatur ab, indem ich die Wärme der Topfwand fühle, genauer geht es natürlich mit einem Thermometer. Wichtig: Lauge und Öle sollten in etwa gleich warm und nicht zu heiß sein!

Während Öle und Lauge abkühlen vermischt man abm besten 10g Öl mit den Pigmenten in einem Plastikbecher, z.B. Joghurtbecher.

Nun die Lauge langsam zu den Ölen leben und umrühren. Man sieht sofort, das Öl beginnt mit dem Verseifungsprozess. Nun könnte man lange und fest rühren, bis man einen Muskelkater bekommt und riskiert dennoch, das sich der Brei der nicht ordentlich verbindet- oder man greift zum Stabiler und püriert. Ein paar Minuten pürieren reichen. Der Seifenbrei sollte die Konsistenz einer dünnen Cremesuppe haben. Einen Teil des Seifenbreis vermischt man mit der vorbereiteten Farbe, der größere Teil kommt in die vorbereitete Form. Nun gießt man aus größerer Höhe den farbigen Brei mittig in die Form, bedeckt alles mit dem restlichen Brei und zieht nun mit drehenden Bewegungen den Quirl durch oder macht mit einem Stäbchen Zickzack-Muster.

Die fertige Seife warm einpacken, auf die Heizung stellen oder bei 50°C für ca. eine Stunde in den Ofen (Wärmeschrank). Dann mindestens über Nacht auskühlen lassen, noch weich in Stücke schneiden und 4 Wochen reifen lassen.

 

Die NaOH Menge ist so berechnet, dass die Seife mit 6% überfettet ist. Möchte man mehr Rückfettung (sollte max 10% sein), nimmt man nur 126g NaOH. Will man eine festere Seife mit nur 4% Überfettung (weniger sollte man nicht überfetten), so nimmt man 134g NaOH.

Haltbarerer und fester sind Seifen mit weniger Überfettung (Anteil der nicht mehr verseiften, also frei in der Seife befindlichen Öle), pflegender solche mit mehr. Insgesamt sollte die Überfettung aber zwischen 4% und 10% liegen.

bitte wie immer NaOH, Wasser und Öl-Menge nachrechnen und kontrollieren, mittels verseifungstabelle oder dem Online-Tool bei naturseife.com

Schmierseife für Zahnseife, zum Putzen oder als Basis für Duschgels

Während Stückseife heute kaum noch gesiedet wird (Gesiedet  wird eigentlich nur Kernseife) sondern vielmehr kaltgerührt (kaltgerührte Leimseife), wird diese Schmierseife echt gesiedet, also “gekocht”.

 Zutaten  Zubereitung
  •  1000g Sonnenblumenöl
  • (oder anders “weiches” Pflanzenöl)
  • 224g KOH
    350g destilliertes Wasser

 

 

Schutzbrille aufsetzen und Schutzhandschuhe anziehen!

Waage, Gefäße, Löffel und Stabmixer griffbereit legen.

Mit einer grammgenauen Waage KOH und destilliertes Wasser genau abwiegen. KOH vorsichtig im Wasser lösen. Spritzen vermeiden, auch KOH ist stark ätzend!

Öle abwiegen und erhitzen und noch warme Lauge zu den Ölen geben. Unter Hitze umrühren oder pürieren (aufpassen, damit der Stabmixer nicht überhitzt.

Öle und Lauge verbinden sich gewohnt und der Verseifungsprozess setzt ein. Nun passiert etwas, das wir beim Kaltrühren der Seifen immer verhindern wollen (darum lassen wir Öle und Lauge immer abkühlen): Öle und Lauge trennen sich. Man erhält eine klumpige Masse, die gar nicht nach Seife aussieht. Nur Mut, auch ich glaube manchmal fast, diesmal wird es nichts, aber mit Geduld (man steht schon mal eine Viertelstunde oder länger am Herd) unter beharrlichen Rühren und Pürieren mit dem Stabiler beginnt der Seifenbrei irgendwann aufzukochen und schließlich verbindet sich der Seifenbrei zu der Schmierseife, die wir haben wollen. Sie beginnt auch heftig zu gelieren und wird schließlich zu der pastösen Masse, die wir haben wollen.

Wichtig: Einen hohen Topf mit großem Fassungsvermögen verwenden. Mindestestens einen 5l Kochtopf, besser sogar einen größeren oder die Ölmenge reduzieren und Wasser und KOH neu berechnen- mit einer Verseifungstabelle oder dem Seifenrechner (aber unbedingt KOH im Seifenrechner geben!!!

Siedende (Schmier)seife neigt dazu, extrem stark zu schäumen und überschäumende Seife ergibt eine enorme “Sauerei” in der Küche. Angebrannte Seife stinkt zudem penetrant!

Wichtig: Da die Schmierseife als Basis dient und auch zum Putzen oder Basis für die Zahnseife verwendet werden kann, KOH mit 0% Übersetzung berechnen und bei Duschgels die gewünschte Übersetzung nachträglich hinzufügen.

Vorsicht auch beim Sieden der Schmierseife. Der Seifenbrei kann während des Verseifungsprozesses spritzen. Noch nicht ganz verseifter Seifenbrei ist an sich schon ätzend. Heißer tut noch mehr weh!

Da die Schmierseife gesiedet wird, verseift sie sofort und kann ohne Reifungsphase sofort verwendet werden.

Tipp: Sollte kaltgerührte Seife einmal gerinnen oder man sie sofort verwenden müssen/wollen, kann man den Brei auch aufkochen und zum Gelieren bringen. Die Masse wird dann aber recht fest und kann nicht mehr gegossen werden sondern nur in Formen “geschmiert” werden. Die so gemachte Seife ist denn nicht so hübsch, aber genauso gut und kann sofort verwendet werden.

Zahnseife zum Selber machen

Da wir mit fertig gesiedeter Schmierseife, die nur mehr einen pH von ca. 10 aufweist, können auch Kinder (sogar Kindergartenkinder) Zahnseife selber machen!

 Zutaten  Zubereitung
  •  1/2 Becher naturbelassene Schmierseife- selbst gesiedete oder aus dem Bioladen, bzw. einer Seifensiederei- Schmierseife aus dem Supermarkt würde ich nicht nehmen!
  • 20 Tropfen Salbeiextrakt (oder Tinktur)
  • 20 Tropfen kamillenextrakt
  • 1Teelöffel Kochsalz
  • 5 Teelöffel Xylit (oder mehr- nach Geschmack
  • 7g Natron
  • 10-20 Tropfen ätherisches Pfefferminzöl (nach Geschmack
  • ev. feine (!) Ton- bzw. Heilerde, falls man Putzkörperchen möchte

 

 

Alle Zutaten miteinander verrühren, falls die Masse etwas zu fest ist, destilliertes Wasser oder Kamillen oder Salbeitee zugeben, bis die Paste die gewünschte Konsistenz erhält. In kleine Gläschen abfüllen- fertig!

Macht wunderbar glatte Zähne und schafft dank ihrer basischen Zusammensetzung ein schlechtes Milieu für Zahnfälnisbakterien. Auch das enthaltene Xylit können Karte Bakterien nicht verstoffwechseln.

Natürlich nach dem Zähneputzen unbedingt ausspucken- wie normale Zahnpasta ja auch!

Hier noch der Grund, warum man zum Lösen des NaOH bzw. für den noch zum Teil unverseiften Leim keinesfalls Aluminium verwenden sollte:

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