Ohne Geld leben?

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Bewußt und ökologisch leben

Seit bald 4 Jahren bemühen wir uns tunlichst, palmölfrei zu leben. Bewusst, möglichst ökologisch und so nachhaltig wie möglich zu handeln, versuche ich, seit ich mich erinnern kann. Ich bin seit 28 Jahren Vegetarierin (Ovo-Lacto Vegetariern und gelegentlich Pescetarierin), ich habe somit 2/3 meines Lebens ohne dem Genuss von Fleisch verbracht, esse Milchprodukte und Eier und gelegentlich Fisch.

Mitverursacher ökologischer Probleme als Teil der Gesellschaft

Dennoch sind wir Teil unserer Gesellschaft und somit Mitverursachet diverser Umweltprobleme. Wir reisen innerhalb Europas mit der Bahn- aber auch die benötigt Strom und ist nicht wirklich CO2 neutral. Ich gehe arbeiten und verdiene mein Geld, wenn auch nicht in der freien Wirtschaft. Ich bin/wir sind Teil des Kapitalismus, auch wenn ich mich bemühe, mein Geld in nachhaltige und langlebige Produkte zu investieren, statt in Wegwerfartikel. Wir passen auf, auch bei der Kleidung möglich nachhaltig zu kaufen und meiden besonders “böse Geschäfte”. Auch meine Kinder achten da akribisch genau darauf und verzichten lieber auf eine In-Marke.

Wir fliegen nur alle 2 Jahre in den Urlaub und bemühen uns im Urlaub möglichst umweltfreundliche Aktivitäten zu unternehmen. Wir reisen vorort mit den Einheimischen in “Klapperbussen” und nächtigen in einfachen Pensionen oder “Home Stays” und besuchen gerne Nationalparks, deren Fortbestand und deren Ranger oft durch die Eintrittsgelder zumindest mitfinanziert werden. Ich habe kein Auto und wir fahren mit Öffis oder mit dem Fahrrad, dennoch wir konsumieren und fördern somit zwangsweise das System.

Kompromisslos losgelöst vom Kapitalsystem

Es gibt aber auch Menschen, die hier noch ein paar Schritte weiter gehen, etwa ohne Geld und so ökologisch wie es nur geht, eine Weltreise machen. Ich weiß nicht, ob ich es schaffen würde, so kompromisslos auf Konsum und damit einhergehende Annehmlichkeiten zu verzichten.

Geldlos zu leben, hat für mich auch meist einen schalen Beigeschmack. Oft wird das Geldlos zu leben zum Schmarotzertum, und die Geldlos lebenden sind dann ja doch auf das System angewiesen nur lassen sie andere machen. Wer zwar ohne Geld lebt, aber dann Lebensmittel, Kleidung und Heizmaterial schnorrt und per Autostopp mit anderen mitfährt, lebt ja nicht autark und losgelöst vom System, sondern einfach davon, dass andere Menschen etwas leisten und dies teilen. Anders sind für mich da die wirklich unabhängig lebenden, die autark und selbstbestimmt von der Konsumgesellschaft losgelöst leben. Manchmal leben Menschen auch ohne Geld, indem sie quasi modernen Tauschhandel führen oder Arbeit gegen Essen oder eine Mitfahrgelegenheit bieten. Oder indem sie ihren Gastgebern von ihren spannenden Geschichten erzählen, wie Frederik, im Kinderbuch von Leo Lionni. So eine Kultur des Schenkens und Vertrauens wäre natürlich ein bereichender Gegenpool zu unserer gierigen und misstrauischen Konsumgesellschaft.

Wenn man bedenkt, wie viele Lebensmittel in unserer Gesellschaft weggeworfen oder sogar für den Müll produziert werden, dann wird man schon stutzig. Jede/r will nur noch ofenfrisches Brot kaufen, verwöhnt durch die omnipräsenten Frischebäckerein, die eigentlich nur industriell hergestellten Tiefkühlteig aufbacken, während das noch gute, gerade mal einen Tag alte Gebäck in den Müll wandert. Wien könnte Graz so mit seinem “Müll-Brot” versorgen. Joghurt und andere Produkte, die noch gut sind, aber anscheinend abgelaufen, landen ebenfalls tonnenweise im Müll. Auch hier wollen manche entschlossene systemkritische Mitbürger/innen nicht mehr länger zusehen und tauchen, teils illegal in die Mülltonnen. Was diese Mülltaucher/innen dabei an “Land ziehen, ist dabei kein grauslicher, stinkender Abfall, sondern oft noch verpacktes, gutes Essen. Bananen mit ein paar braunen Flecken oder kurz abgelaufene, aber vollkommen unversehrte Nahrung.

Ich weiß nicht, ob ich völlig von der Konsumgesellschaft losgelöst leben könnte oder möchte. Ich denke, ich bin Teil dieser Gesellschaft. Es ist sicher gut und wichtig, wenn mutige Menschen zeigen, dass es auch komplett anders geht.

Ich werde zwar nicht (zumindest nicht in nächster Zukunft) autark, geldlos oder systemunabhängig leben wollen oder können. Aber ich kann mich weiterhin bemühen, meinen Konsum einzuschränken, meine Lebensweise so zu gestalten, dass ich möglichst nachhaltig und ökologisch lebe. Und ich werde so gut ich kann Vorbild für meine Kinder sein; so leben, damit auch noch die nächste und die übernächste Generation und die Generationen die darauf folgen, einen lebenswerten Planeten Erde vorfinden!

Link-Tipp: Hier ein weiter interessanter Blog zu Nachhaltigkeit-Themen:

http://uschilise.blogspot.co.at

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