Welthungertag

Montag, 16.10. Wir sitzen nach einem anstrengenden Arbeits- und Schultag beim Abendessen: Es gibt Pasta und knackigen Salat. Wir werden alle satt, meine Tochter, die sich mit einer kleinen Portion begnügt, mein Sohn, der sich Nachschlag holt und auch ich. Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, jeden Tag satt zu werden. Für uns ist es auch eine Selbstverständlichkeit mit hochwertigen Lebensmitteln satt zu werden. Vitaminreicher Salat, Vollkornnudeln aus biologischer Herkunft und auch die Sauce zubereitet aus hochwertigen Zutaten. Wir denken nicht viel darüber nach, dass wir es uns leisten können, das wir essen können was uns schmeckt und auch gut für unsere Gesundheit ist. Und meistens blenden wir dabei aus, ganz ohne es böse zu meinen, dass es vielen Menschen nicht so gut geht wie uns.

Im Sommer ging eine Meldung durch die Medien, dass Teile Afrikas, auch Kenia, von einer großen Hungerkatastrophe heimgesucht wurden. In der Region, wo normalerweise zweimal im Jahr Regen fällt, fiel der Regen im Jahr 2017 komplett aus. Vieh verendete, Gemüse und andere pflanzliche Produkte wurden teurer und für arme Familien nicht mehr leistbar.

Das Klima ändert sich, auch wenn manche Politiker wie etwa der amerikanische Präsident Donald Trump oder auch FPÖ Chef Heinz Christian Strache eine menschliche Mitverantwortung bezweifeln oder gar negieren, obwohl die Wissenschaft längst Belege hat, dass die derzeitige immense Klimaveränderung menschgemacht ist.

Am meisten leiden aber oft gerade jene Menschen unterm Klimawandel, die ihn am wenigsten verursachen: Die ärmsten Menschen in den ärmsten Ländern der Welt.

Fällt der Regen aus trifft es diejenigen besonders hart, wo Regen immer schon seltenes und kostbares Gut ist. Gerade in der trockenen Sahelzone kann der Ausfall des Regens somit bedeuten, dass Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren. Sie verlieren ihr Einkommen, ihre Nahrungsquelle und haben kein Geld um am Markt teures Gemüse und Obst zu kaufen. Gerade Kinder und alte Menschen werden dann immer schwächer und kränklicher und deren Überleben hängt in manchen Fällen davon ab, ob sie das Glück haben und Essensspenden und Notfallhilfe von der Welthungerhilfe, der UNICEF oder anderen Vereinen erhalten.

Diese Spenden können nur die akute Not überbrücken. Oft wird versucht mit der heimischen Bevölkerung Konzepte zu entwickeln, etwa Veränderungen im Anbau, dem Graben neuer Brunnen oder neuer Techniken zum Sammeln von Regenwasser, damit in einer Zeit in der Extremwetterlagen- aufgrund des Klimawandels immer häufiger werden.

Klimawandel bedeutet nämlich nicht, dass es überall und immer und gleichmäßig wärmer wird. Ja, es wird tendenziell wärmer. Lokal kann es dennoch Kälteperioden geben. Umgekehrt bedeutet auch kein heißer Sommer nicht, dass dieser vom Klimawandel kommt. Unbestritten führt aber die globale Erwärmung zu einem Abschmelzen der Pole. Das kann zu einem Verschiebungen von Wasserströmungen zur Folge haben. So diskutieren Wissenschafter immer wieder, ob ein Versiegen des Golfstroms und somit eine Abkühlung Europas in einer sich global immer mehr erwärmenden Welt eine Folge des Klimawandels werden könnte.

Klimawandel bedeutet in der Zukunft für viele Menschen wahrscheinlich nicht nur, dass sie ihre Lebensgrundlage verlieren. Wird Wasser und fruchtbarer Boden knapp, sind Konflikte um Wasser und Boden sehr wahrscheinlich. Und neben Hungerflüchtlingen kann uns dann eine Welle neuer Kriegsflüchtlinge aus Afrika und Asien erreichen. Europa, dass mit der letzten Flüchtlingswelle überfordert war, würde sich noch mehr Notleidenden Menschen gegenübersehen.

Ich räume das Geschirr ab und spüre plötzlich eine große Dankbarkeit dafür, dass wir uns satt essen können, ein Dach über dem Kopf haben und alles, was wir zum Leben benötigen. Wir leben in einem sicheren und stabilen Land in einer Welt, in der es längst nicht allen Menschen so geht geht wie uns.

Am 16.10. war der Welthungertag. Es beschämt mich, dass in einer Welt, wo ein paar wenige in extremen Überfluss leben, noch immer Millionen von Menschen nicht einmal ihre grundlegendsten Bedürfnisse befriedigen können!

Loewin

Loewin

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