Leben Vegetarier/innen gesünder und ökologischer?

Kuh_Nelly

Ich gehe mit meiner Tochter einkaufen. Als Vegetarierin, genaugenommen Pescetarierin, stöbere ich im Regal mit vegetarischen Produkten. Sofort fällt meiner Tochter auf: “Mama, das ist schon wieder mit Palmöl!” hält sie ein Fleischersatz-Produkt in die Höhe und legt es angewidert zurück ins Regal.

Vegan oder vegetarisch zu leben liegt voll im Trend. Vegetarier/innen verzichten auf Fleisch aus ökologischen oder gesundheitlichen Gründen. Viele sagen, dass sie sich nach dem Weglassen von Fleisch einfach besser und gesünder fühlen. Etliche essen auch kein Fleisch aus ökologischen Gründen oder weil ihnen die Tiere leid tun. Auch religiös motivierte Vegetarier/innen gibt es. Das Phänomen, bewusst ohne Fleisch zu leben, ist auch nicht neu. Schon der große Leonardo da Vici war Vegetarier, ebenso Sokrates und Pythagoras. Viele berühmte Persönlichkeiten waren oder sind Vegetarier/innen: Franz Kafka etwa oder Paul McCartney.
Es stellen sich nun also die Fragen:

Welche Formen von Vegetarismus gibt es überhaupt, bzw. ist Vegetarier/in gleich Vegetarier/in?

Leben Vegetarier/innen gesünder?

Leben Vegetarier/innen ökologischer?

Fragestellungen, die sich nicht immer so einfach beantworten lassen.

Welche Formen von Vegetarismus gibt es überhaupt, bzw. ist Vegetarier/in gleich Vegetarier/in?

Vegan oder vegetarisch zu leben liegt voll im Trend. Dabei ist ja Vegetarier/in nicht gleich Vegetarier/in:

es gibt die Ovolacto-Vegetarier/innen- die essen Milchprodukte und Eier,

die Lacto-Vegetarier/innen: bei ihnen stehen Milchprodukte, aber keine Eier am Speiseplan,

die Ovo-Vegetarier/innen: jene, die Eier, aber keine Milchprodukte konsumieren,

die Pescetarier/innen: Vegetarier/innen, welche neben Eiern und Milch auch Fisch und Meeresfrüchte essen (wahrscheinlich die am wenigsten strenge Gruppe),

dann gibt es die besonders strengen Veganer/innen, die keine Produkte akzeptieren, die von Tieren stammen, also auch keinen Honig essen- unter ihnen gibt es wieder Gruppen, die nur oder hauptsächlich Rohkost essen

Noch strenger als die Veganer/innen sind die Frutarier/innen: Menschen, die nur essen, was eine Pflanze “freiwillig” hergibt, ohne sie töten zu müssen.

Angehörige dieser Gruppe leben in Indien oft gesund, da sie unbewusst Dank mangelnder Hygiene Mikroorganismen zu sich nehmen, die sie mit Vitamin B 12 versorgen, in Europa kränkeln sie oft.

und schließlich gibt es noch die

“Pudding-Vegetarier/innen”: Menschen, die zwar kein Fleisch essen, aber nicht auf gesunde Ernährung achten und sich am liebsten von Grießbrei, Buttersemmeln oder Pudding ernähren möchten- kein besonders gesunder Speiseplan…

Leben Vegetarier/innen gesunder?

Oft wird behauptet, Vegetarier/innen leben gesünder. Herzkreislauf Erkrankungen kommen bei ihnen seltener vor. Allerdings leben Vegetarier/innen meist auch bewusster als viele ihrer fleischessenden Mitbürger/innen, essen viel Obst und Gemüse und nehmen so viele Vitamine und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe zu sich, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Viele von ihnen rauchen auch nicht und/oder betreiben regelmäßig Sport.

Pescetarier/innen und Ovolacto- Vegetarierinnen haben zudem Dank ihres weit gefächerten Speiseplans wenig Risiko Mangelerscheinungen zu haben. Sie essen tierische Produkte und gerade das für das Nervensystem so wichtige Vitamin B12 ist praktisch nur in tierischen Produkten enthalten: in Milchprodukten, Fleisch, Innereien oder Eiern.

Ein Mangel an Vitamin 12 kann zu Depressionen führen und sogar zu schweren, irreversiblen Nervenschäden. Schwangere Frauen haben einen erhöhten Bedarf an Vitamin B12 und eine Unterversorgung mit diesem Vitamin kann zu schweren Schäden bei ihrem ungeborenen Kind führen.

Vegane Ernährung in der Schwangerschaft ist somit mit besonderen Risiken für das Ungeborene verbunden (nicht nur wegen des mangelndem Vitamin B12). Veganer/innen leiden oft an einer Unterversorgung von Vitamin A, Vitamin B2, Vitamin B5, Vitamin B6, Vitamin B9 und Vitamin D. Ein konsequenter Speiseplan, Vitaminpräparate und regelmäßige ärztliche Kontrollen (Bluttests) sind angeraten und insbesondere bei Schwangeren unerlässlich, um einer Schädigung des Kindes vorzubeugen. Der Besuch bei einer Ernährungsberatung wäre sinnvoll, um einen optimalen Speiseplan zu erstellen, der eine Versorgung mit möglichst allen lebensnotwendigen Vitaminen sicherstellt. Veganer/innen müssen aber Vitamin B 12 immer in Form von Präparaten zu sich nehmen. Sauerkraut ist zwar eines der wenigen veganen Produkte, die Vitamin B 12 enthalten, aber auch in Sauerkraut ist so wenig Vitamin B 12 drin, dass eine Bedarfsdeckung nur mit Sauerkraut praktisch nicht möglich ist.

Auch bei der Ernährung von Kindern sehen viele Expert/innen und Kinderärzt/innen bei Ovolacto-Vegetarismus kein Problem, raten aber von einer veganen Ernährungsform aus gesundheitlichen Gründen strikt ab.

Was ist nun aus gesundheitlicher Sicht besser- vegetarisch leben oder doch Fleisch essen?

Viele pro-Fleisch Befürworter/innen argumentieren damit, dass der Mensch schon immer Fleisch gegessen habe. Die Jäger und Sammler der Steinzeit aßen wohl täglich Fleisch, allerdings hatte dieses Fleisch nur allerbeste Qualität- nicht zu vergleichen mit dem Billig Fleisch aus dem Supermarkt.

Es kommt darauf an, wie oft Fleisch gegessen wird und auch wie es zubereitet wird. Herzkreislauferkrankungen werden ebenso mit Fleisch in Verbindung gebracht wie Krebs. Wer gerne Geräuchertes und Gegrilltes isst und oft und gerne Fettes und stark verarbeitete Wurstprodukte konsumiert, lebt definitiv ungesund und trägt ein erhöhtes Risiko an sogenannten Zivilisationserkrankungen wie Herzinfarkt oder Krebs zu erkranken oder sogar zu sterben.

Bewusster Fleischkonsum- nicht jeden Tag Fleisch am Teller zu haben, sondern nur 1-2x pro Woche ein kleines Stück Fleisch zu essen, dafür das in hoher Qualität, schadet der Gesundheit wohl kaum. Fleisch aus Weidehaltung hat einen höheren Gehalt an Vitaminen als Vergleichbares aus Massenproduktion. Auch finden sich auf Fleisch aus biologischer Haltung weniger gefährliche Keime wie multiresistente Bakterien. Dieses Fleisch enthält somit auch weniger Rückstände von Chemikalien, Antibiotika oder anderen Medikamenten. Ein gesunder Fleischkonsum bedeutet  somit, wenig Fleisch zu essen, dafür in hoher Qualität und auch die Art der Zubereitung beeinflusst die Gesundheit.

Für ein gesundes Leben scheint es also nicht vorrangig zu sein, ob man Fleisch isst oder nicht. Ein bewusster Lebensstil mit viel Obst und Gemüse (ideal wären 3 Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag) und viel Bewegung und wenig Laster wie Rauchen und Alkohol garantieren Gesundheit und Wohlbefinden. Mäßiger Fleischkonsum ist da genauso OK wie das Weglassen von Fleisch, wobei es aus gesundheitlichen Gründen umso heikler wird, je mehr man vom Speiseplan weglässt. Und ich bezweifle sehr, dass ein veganer Lebensstil noch als gesund anzusehen ist.

Leben Vegetarier/innen ökologischer?

Schon Aristoteles und Sokrates betonten, wie wichtig es sei, auch andere Geschöpfe mit Respekt zu behandeln. Aristoteles war wahrscheinlich kein Vegetarier, Sokrates schon.
Viele Vegetarier und ganz besonders Veganer entscheiden sich für ihren Lebensstil aus äußerst edlen Motiven: Achtung vor den Geschöpfen.

Nun gibt es gerade unter den vegetarisch/veganen Produkten im Supermarkt viele Problemfälle: Ein Blick auf die Zutatenliste vieler fleischloser und oft sogar für Veganer/innen empfohlener Produkte zeigt: die meisten enthalten Soja und oder Palmöl. Beides vegane Produkte und somit für Veganer/innen erlaubt. Schaut man aber genauer hin, so sieht man, dass gerade Soja und Palmöl sehr problematisch sind. Viele Produkte für Vegetarier/innen und Veganer/innen sind aus ökologischen Anbau- aber über die “Regenwaldfreundlichkeit” sagen die Biosiegel nichts aus. Soja kommt hauptsächlich aus Brasilien. Es gibt auch Donau-Soja, aber nur in sehr geringem Ausmaß und zu wenig um den Bedarf an der “Super-Bohne” zu decken. Der Welthunger nach Soja wächst und in Brasilien gibt es genug skrupellose Geschäftsleute, die sich über die indigene Bevölkerung und dem großen Nutzen der Regenwälder und ihrer riesigen Artenvielfalt hinweg setzen und riesige Flächen Regenwald roden um Platz für Soja Felder zu schaffen.

Nicht besser sieht es beim Palmöl aus. Indonesien brennt, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen und auch in Borneo ist ein Großteil des Regenwaldes den Palmölplantagen gewichen. Düstere Zeiten für den “Waldmenschen” Orang Utan, der seinen Lebensraum verliert.

Jetzt zu denken, Fleisch zu essen, wäre aus ökologischer Sicht besser, ist ein Trugschluss: Gerade in der Massentierhaltung werden Tonnen von Soja an Schweine verfüttert. Soja ist hochwertig und billig- und wird meist aus Brasilien importiert.

Für Rindfleisch werden ebenso riesigen Flächen Wald gerodet um Weideflächen zu schaffen. Rinder produzieren zudem in ihrem Verdauungstrakt Methan, ein Gas, welches noch stärker und schneller den Klimawandel antreibt als CO2.

Tiere in Massentierhaltung vegetieren oft in fensterlosen, stinkenden Ställen dahin und neben dem Tier Leid, das Konsument/innen dieser Produkte hinnehmen, kommt dazu, dass mit dem Fleisch auch Stresshormone oder Psychopharmaka (!!) mitgegessen werden; ebenso wie Antibiotika Rückstände und die bereits erwähnten restenten Keime.

Fazit: Ökologisch ist nur ein bewusster Konsum. Kein Veganer/keine Veganerin will zum/zur Killer/in von Orang Utans werden. Ein Blick auf das Etikett verrät, ob ein Produkt in den Einkaufskorb soll oder lieber im Regal liegen bleiben soll. Statt Soja lieber einen Bohnensalat aus heimischen Käferbohnen essen und statt Produkte die Palmöl enthalten solchen wählen, die Sonnenblumenöl enthalten.

Fleischesser/innen die Produkte wählen, die aus heimischer, biologischer Zucht kommen und vorwiegend in Weidehaltung gegehalten werden, leben bei mäßigem Fleischkonsum ebenso ökologisch wie Vegetarier/innen, die kritisch aufs Etikett schauen.
Ökologisch zu leben ist etwas mühsam geworden- ob mit oder ohne Fleischkonsum- aber es zahlt sich aus- für ein besseres Lebensgefühl, für eine höhere Lebensqualität und Gesundheit und für einen lebenswerten Planeten Erde- noch für viele Generationen!
Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass man mit vegetarischer Ernährung wesentlich mehr Menschen satt bekommt als mit Fleisch. Mit der Menge, z.B. Soja, die man braucht um Schweine zu füttern um wenige Menschen zu ernähren, könnte man viele Menschen satt kriegen!

Ökologisch zu leben ist etwas mühsam geworden- ob mit oder ohne Fleischkonsum- aber es zahlt sich aus- für ein besseres Lebensgefühl, für eine höhere Lebensqualität und Gesundheit und für einen lebenswerten Planeten Erde- noch für viele Generationen!

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass man mit vegetarischer Ernährung wesentlich mehr Menschen satt bekommt als mit Fleisch. Mit der Menge, z.B. Soja, die man braucht um Schweine zu füttern um wenige Menschen zu ernähren, könnte man viele Menschen satt kriegen!

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