Rührküche, Teil 6- so gelingt Schmierseife garantiert!

Fertige Schmierseife

Vor 2 Monaten, kurz vor Beginn der Ferien, machte ich meine letzte Schmierseife. Ich deckte mich und meine Freundin damit ein. Machte Zahnseife und Duschcreme. Jetzt, kurz vor Schulbeginn, war alles aus. Da wir weder Zahnpaste noch gekauftes Duschgel mehr mögen (das kommt mir jetzt alles so “chemisch” vor), musste ich heute an den Rührtopf. Da es zu Schulbeginn dann sowieso zeitlich eng wird, nutzte ich die letzten Ferientage.

“Bewaffnet” mit Schutzbrille und Handschuhen, durfte mir auch mein fast 12jähriger Sohn helfen. Als es brenzliger wurde, siehe unten (spritzender Seifenbrei), übernahm ich wieder. Auch beim Abwiegen und Auflösen der Lauge durfte er nur in Entfernung zusehen.

Meine 9jährige rührte dafür aus der fertigen Schmierseife unsere Zahnseife. Teamwork eben!

So gelingt die Schmierseife garantiert

Hier meine Geheimmethode, mit der Schmierseife garantiert gelingt. Wichtig:

1. Ein bisserl Erfahrung im Seife sieden (Seife rühren)

2. Unbedingt Handschuhe und Schutzbrille benutzen (Spritzgefahr!!)

3. Ich habe zum Seife sieden einen alten Schnellkochtopf, übliches Fassungsvermögen von 5 Litern.  Für Leimseifen kann ich getrost ein Liter Öl verseifen, bei Schmierseifen nehme ich bei dieser Kochtopfgröße nur 750 ml Öl! Wichtig- sonst gibt es eine große “Sauerei” in der Küche…

Zutatenliste

Für Schmierseife benötigt man

1. Eine genaue Waage

2. Einen Topf (ohne Alu) zum Auflösen des KOH (Fassungsvermögen 1-2l)

3. Einen Topf (ohne Alu) mit mindestens 5l Fassungsvermögen (ich verwende einen alten Schnellkochtopf)

4. 750ml Pflanzenöl

Ich verwende ich am liebsten: 500ml heimisches Öl. Rapsöl oder Sonnenblumenöl sind geeignet. Ich nehme am liebsten Sonnenblumenöl- es macht helle Seife und “weiche” Seifen. Auf die 750ml nehme ich nun Kokosöl: ist schön hell und macht gute Seifen. Man kann altrnativ auch jedes andere Pflanzenöl verwenden (Rapsöl,…)

Bitte kein Palmöl verwenden- da muss meist eine große Fläche tropischer Regenwald für die Plantagen weichen und deshalb sollte man Palmöl tunlichst vermeiden. Orang Utan & co werden es danken!! 🙂

5. Wir brauchen noch destilliertes Wasser und

6. KOH (Kaliumhydroxid) (gibt es in gut sortierten Drogerien)

Die genaue Menge an Wasser und KOH bitte hier ausrechnen: (wir machen die Seife mit 0% Überfettung- ich überfette erst das Duschgel, so kann ich die Schmierseife auch zum Putzen und für Zahnseife verwenden)

http://www.naturseife.com/seifenrechner/

Vorsicht: unbedingt bei Lauge KOH und nicht NaOH ankreuzen!!

7. Natürlich benötigen wir noch die Schutzausrüszung: Schutzbrillen (eine Schwimmbrille tut es zur Not auch) und Gummihandschuhe

Nun geht's ans Seife sieden

Zuerst wie immer Schutzausrüstung anlegen und alles abwiegen: Öle in den großen Topf abwiegen, Lauge in einen trockenen Becher abwiegen, destilliertes Wasser in den kleineren Topf abwiegen. Genaues messen ist wichtig!!

Fenster öffnen und für Frischluft sorgen, wenn wir die Lauge anrühren. Vorsicht! Die dabei entstehenden ätzenden Dämpfe möglichst nicht einatmen!

Geübte Seifensieder/innen wissen: Immer erst das Wasser, dann die Lauge, weil sonst spritzt es dir ins Auge! Keine Johurtbecher oder ähnliches zum Lauge anrühren nehmen, es entwickelt sich eine große Hitze- die kann den Joghurtbecher schmelzen und die ätzende Lauge rinnt über die Finger!

Vom Leimseife rühren wissen wir: Öle und Lauge auf ca. 60 Grad abkühlen lassen- bei der Schmierseife nicht nötig, wir arbeiten im Heißverfahren.

Also: heiße Lauge zu den heißen, aufgeschmolzenen Ölen. Mit dem Stabmixer rühren. Wir führen nun Hitze zu und nun passiert, was wir sonst vermeiden wollen: Unser Seifenbrei trennt sich.

Keine Panik, keine Sorge, auch wenn es aussieht, als ob die Seife nichts wird- Ruhe bewahren, sie wird! Bei schwacher bis mittlerer Hitze immer wieder rühren, mit dem Stabmixer mixen und rühren. Die Seife wird aufkochen und aufquellen.

Vorsicht: Immer rühren! Das ganze kann auch spritzen, deshalb ist die Schutzkleidung so besonders wichtig!

Irgendwann verbindet sich der zerronnene Brei wieder, fest weiterrühren und dann ist unserer Seife im Prinzip fertig: Der Brei muss in der Konsistenz homogen sein, sich schmierig anfühlen, der Löffel soll steckenbleiben und beim Küsschentest einfach “nur” nach Seife schmecken

Was tun mit der Schmierseife

Die Schmierseife ist nun ein “Universalhaushaltsmittel”

1. Zum Putzen, Geschirr- und Wäsche waschen

2. Als Rohstoff für Duschcremes und Flüssigseife

3. Als Basis für Zahnseife

Rezepte finden sich hier auf meinem Blog

Viel Spaß beim Nachrühren!!

 

 

6 comments

  • Detlef Seelig

    Hallo Frau Geroldinger,

    ich komme mit Ihren Mengenangaben nicht ganz klar:

    Zitat:
    “4. 750ml Pflanzenöl
    Ich verwende ich am liebsten: 500ml heimisches Öl. Rapsöl oder Sonnenblumenöl sind geeignet. Ich nehme am liebsten Sonnenblumenöl- es macht helle Seife und “weiche” Seifen. Auf die 750ml nehme ich nun Kokosöl: ist schön hell und macht gute Seifen. Man kann altrnativ auch jedes andere Pflanzenöl verwenden (Rapsöl,…)”

    Bedeutet dass:
    a) 500 ml Raps- oder Sonnenblumöl plus 750 ml Kokosöl
    oder entweder
    b) 500 ml Raps- oder Sonnenblumöl – oder
    c) 750 ml Kokosöl?
    Warum dann unterschiedliche Ölmengen für einen Schmierseifenansatz?

    Bin auf Ihre Antwort gespannt!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Detlef Seelig.

  • Da ich einen “ausrangierten” Schnellkochtopf zum Seifen machen verwende, achte ich beim Schmierseife machen darauf, dass ich deutlich weniger als 1000g Öl verseife. Beim Aufkochen schäumt die siedende Seife enorm auf. Wenn jetzt 750g (also etwa 500g Sonnenblumenöl plus 250g) verseife, geht sich das Ohne “Sauerei aus.

    Lieber Herr Seelig!

    Warum ich verschiedene Öle verwende? Eigentlich Geschmackssache. Bei harten Seifen kann mit der Qualität der Seife spielen (Härte, Färbung, rückfettende und pflegende Anteile). Bei der Schmierseife bevorzuge ich die Kombi Sonnenblumenöl750g + Kokosöl 250g weil Sonnenblumenöl weiche Seifen macht (sonst wird die Schmierseife oft recht fest) und das Kokosöl eben, weil es helle Seifen macht. Außerdem sind beide Öle recht preiswert.

    Viel Spaß beim Seifesieden!

  • Tina

    Was meinen Sie mit zahnseife?

  • Seife für die Zähne- also eine Art Zahnpaste. Meiner Meinung nach vorteilhaft, wie sie ein basisches Millieu im Mund schafft, was den Zahnfäulnisbaterien nicht gut tut.

  • Inés Hermann

    Hallo!
    Sind es nun 750 g oder 750 ml Pflanzenöl? Das ist doch nicht das Gleiche, oder? Nur 750 g Wasser sind auch 750 ml Wasser!

  • Ja, nur Wasser kann man 1:1 in Gramm umrechnen. Bei Ölen messe ich alles in Gramm.

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