Vögelchen in Not

Grünling Küken

Ein kalter Frühlingstag. Es schneite (bei den jetzigen Temperaturen gar nimmer vorstellbar) und wir gingen spazieren. Plötzlich ein Aufschrei meiner Tochter: “Mama. Mama, ein Vogel. Ich glaub, der ist tot!”

Ich eilte zu meiner Tochter und wäre fast auf das kleine, unscheinbare Etwas am Boden getreten. Ein kleines Etwas, das sich verzweifelt an einen kalten Stein kuschelte. Ich bückte mich und sah ein kleines, halb nacktes Vogelbaby, mehr tot als lebendig, am Boden gekauert. Ohne viel nachzudenken hob ich das Kleine hoch und wärmte es in meiner Hand. Ich weiß, dass Vögel einen sehr schlechten Geruchsinn haben und die meisten Expert/innen davon ausgehen, dass man Vogelbabies auch ohne Handschuhe wieder ins Nest legen kann. Ihre Eltern nehmen sie wieder an, da sie den Fremdgeruch nicht wahrnehmen. Wir suchten also nach einem Vogelnest. Vergebens. Erst mein Sohn entdeckte das Nest, das so ungünstig platziert war, mitten in einer hohen Föhre am Rande eines reißenden Baches, dass es unmöglich war, das Vogelkind zurück ins Nest zu legen.

Das Vögelchen in meiner Hand kam unterdessen langsam wieder zu mehr Leben. Die Wärme tat ihm gut. Wir hatten Hunger und kehrten in einer Pizzeria ein. Der Wirt besorgte uns eine Schachtel, die er weich auspolsterte und der kleine Vogel konnte sich in der warmen Stube ein wenig erholen.

Nur was tun mit einem Vogelbaby Sonntagabend am Land. Nichts Brauchbares zu kaufen und wegen der Kälte keine Insekten auffindbar,…?

Der kleine Kerl (oder die kleine Kerlin?) musste Hunger haben! Notgedrungen fütterten wir den Vogel mit dem, was uns am Vernünftigsten erschien. Eine kleine Magenverrenkung in Kauf nehmend (draußen wäre er wenig später erfroren) fütteten wir ihn mit Schinken und Butter und flößten ihm ein paar Tropfen Wasser ein. Gestärkt und aufgewärmt wurde unser Vögelchen richtig munter und lebhaft und übte sogar Flugübungen. Kaum befiedert flatterte er aus seiner Schachtel. jetzt wußten wir, warum er aus dem Nest gefallen war.

Am nächsten Tag suchte ich im Internet nach Aufzuchtstationen. Ernüchternd war, als ich las, dass viele Tierheime zwar Wildvögel aufnehmen, aber dann mangels Kapazitäten einschläfern. Wir waren auf Urlaub in der Nähe von Salzburg und so nahm ich mit dem Tirheim von Salzburg Kontakt auf. Die Dame am Telefon versicherte mir, sie würden auch “wilde” Fundtiere aufnehmen und sie aufpäppeln. Inzwischen hatten unsere Vermieter (wir wohnten in einer Pension) Regenwürmer ausgebuddelt, die unser Kleiner, den Schnabel weit aufreißend, verschlang. Meine Tochter hatte kurz einen Gewissenskonflikt: sie, die Regenwurmretterin, die jeden Wurm und jede Schnecke von der Straße klaubt und in Sicherheit bringt soll nun Regenwürmer verfüttern? Aber in dem Fall entschied sie sich, die Regenwürmer dem armen Piepmatz zu opfern.

Am Weg zum Tierheim begann der Vogel laut zu piepsen. Er kam immer mehr zu Kräften. Das Tierheim selber erschien mir sehr kompetent und glaubwürdig. Für “Vogi” wurde eine extra Wildtier Karteikarte angelegt. Man verlangte einen Ausweis von mir und allerlei Daten und man bot mir an, mich öfters nach dem Befinden unseres Vogelkindes erkundigen zu dürfen-und was soll ich sagen: Unser Kleiner hat es geschafft und wurde mittlerweile in die Freiheit entlassen. Dank den scharfen Augen meiner Tochter hat dieser kleine Grünling trotz der anfänglich schlechten Prognosen (Kälte, falsches Futter,…) überlebt!

Grünling Küken

Grünling Küken

 

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