Juckende Mitbewohner

Tierische Untermieter am Kopf

Kopflaus, Quelle: wikipedia

Kopflaus, Quelle: wikipedia

Ich arbeitete 5 Jahre lang in Kindergarten und Krippe und habe dort ungezählte „Laus-Alarme“ unbeschadet unbestanden. Zwar neigt meine überempfindliche Kopfhaut bei Streß oder wenn ich von Laus-Attacken höre, zum Jucken, dennoch waren noch nie sechsbeinige Mitbewohner auf meinem Haupte der Grund dafür. Auch während meiner eigenenen Schulzeit oder während der Kindergartenzeit meiner Kids verliefen die Kontrollen der Köpfe von uns Eltern und meiner Kinder immer negativ. Heißt, wir waren bisher immer lausfrei. Ich hielt uns quasi schon fast für immun. Bisher.

Vor wenigen Wochen passierte es. Meine Tochter verkündete, nachdem ich sie vom Hort abholte, man habe bei ihr eine einzelne Nisse gefunden. Sprich eine einzelne leere Eihülle. Ohne Laus keine Eihülle, dachte ich und ging vorsichtshalber in die Apotheke einkaufen, nachdem ich mich vorher im Internet über diverse Mittelchen gegen die winzigen Blutsauger schlau gemacht hatte.
Ich kaufte ein physikalisches Mittel (mehr darüber später) und einen Nissenkamm und ging mit der Tochter nach Hause. Zuhause folgte die Kontrolle der Köpfe. Und zu meinem Grauen hatte nicht nur meine Tochter, wir alle hatten Haustiere auf unseren Köpfen! Das Mittel reichte nur für die Kinder. Wir Erwachsenen pappten uns Majonäse ins Haar (gilt auch als Lausmittel) und am nächsten Tag mussten wir uns alle krank melden.
Es kursieren viele Falschmeinungen, dass nun der ganze Haushalt in die Waschmaschine müsse. Dank seriöser Quellen musste ich nicht gänzlich verzweifeln (nur halb), es reicht Bettwäsche und Oberbekleidung bei mindestens 60 Grad zu waschen, die Wohnung gründlich zu saugen und Kämme und Kuscheltiere einzufrieren. Nach 8 Stunden ohne Blutmahlzeit sterben die Läuse nämlich sowieso. Keine Angst auch bei Haustieren. Auch bei engem Kontakt übersiedeln Kopfläuse nicht ins Fell von Bello & co. Zum Glück. Unsere Labradorhündin kuschelt viel mit den Kindern oder die Kinder liegen quer auf ihr und streicheln und kraulen sie.
Der folgende Tag bestand also aus einer Wäsche-Wasch Orgie, einem neuerlichen Apothekengang, schmierigen, mit  Öl-Pampe eingeschmierten Köpfen und stundenlangem Haar kämmen maulender Kinder.

Welche Läuse lieben Menschenblut?

Grundsätzlich gibt es drei Arten von Läusen, die Menschen bekommen können. Während die Kleiderlaus (Pediculus humanus bzw. Pediculus humanus humanus) dank besserer Hygiene als in früheren Zeiten, in Europa praktisch nicht mehr vorkommt- sie wird durch ungewaschende Kleidung oder Bettwäsche infizierter Menschen übertragen- ist die Kopflaus (Pediculus humanus capitis) von Hygiene ziemlich unbeeindruckt. Kopfläuse fühlen sich -engegen hartnäckiger Gerüchte(!) auf gewaschenen, sauberen Köpfen genauso wohl, wie auf ungewaschenen. Kopflaus und Kleiderlaus sind nahe Verwandte aus der Ordnung der Tierläuse und der Familie der Menschenläuse (Pediculidae). Beide gehören zur Gattung Pediculus. Strittig ist unter Wissenschaftler/innen ob es sich um getrennte Arten handelt, oder bloß um Unterarten der Menschenlaus. Daher wird die Kopflaus manchmal Pediculus humanus capitis und ebenso Pediculosus capitis bezeichnet. Filzläuse ((Phthirus pubis) parasitieren ebenfalls am Menschen, gehören aber einer anderen Familie an. Filzläuse sind in Europa selten vorkommende Parasiten, welche sexuell oder durch engen Kontakt übertragbar sind. Die umgangssprachlich auch als „Sackratten“ oder „Mastmatrosen“ bezeichneten Tierchen lieben es warm und feucht und so findet man sie praktisch ausschließlich an Schambehaarung oder Achselbehaarung (selten verirrt sich so ein Tierchen in die Brustbehaarung oder Augenbrauen).

Welche Krankheiten übertragen Läuse?

Erst mal Entwarnung: Die bei uns häufigen Kopfläuse übertragen keine Krankheiten. Sie sind nur lästig und bei starkem Befall kann man sich irgendwann wundkratzen. Diese Wunden können sich natürlich entzünden. .Kleiderläuse übertragen hingegen schon Krankheiten, etwa Fleckfieber.

Allerdings haben Wissenschaftler/innen festgestellt, dass auch Kopfläuse die selben Krankheiten wie Kleiderläuse übertragen könnten. Theoretisch. Problematisch werden Kopfläuse aber nur in Notzeiten- da werden die hygienischen Bedingungen schlechter, das Fleckfieber häufiger und auch die Kopflaus könnte dann diese bösen Krankheiten übertragen.

Auch die Filzlaus überträgt an sich keine Krankheiten und ist nur unangenehme, juckende Mitbewohnerin.

Lebenszyklus der Läuse und Ansteckung

Laus-Weibchen legen pro Tag bis zu 10 Eier, die sie an die Haare kleben. Aus diesen Eiern schlüpfen nach 7-10 Tagen die Nymphen. Nymphen sind die Jungtiere, die oft fälschlicherweise als Larven bezeichnet werden. Diese Jungtiere werden nach 9-11 Tagen geschlechtsreif. Läuse benötigen 3-4 Blutmahlzeiten am Tag. Sie injizieren in die Stichwunde ein gerinnungshemmendes Mittel, die Wunden sind oft pickelähnlich und jucken.Nach 30 Tagen stirbt die Laus. Läuse haben wie alle Insekten 6 Beine, mit den vorderen klammern sie sich an die Haare. Sie können weder fliegen noch springen. Während erwachsene Kopfläuse 2-3 mm groß werden, sind junge Nymphen kaum einen mm groß und mit bloßem Auge gerade noch sichtbar (auch weil sie meist viel heller sind als erwachsene Tiere).
Als Nissen bezeichnet man die weißlichen Eihüllen, die nach dem Schlüpfen der Nymphen am Haar kleben bleiben.

Man infiziert sich, indem die flügellose Laus von Kopf zu Kopf krabbelt. Selten steckt man sich durch Kämme oder Mützen und dergl. an. Ohne Wirt (sprich Blutmahlzeit) überleben Läuse nur 8 Stunden! Kinder sind am häufigsten betroffen, weil sie beim Spielen die Köpfe zusammenstecken und die Läuse so von Kind zu Kind krabbeln können. (ebenso beim engen Kontakt inerhalb der Familie)

Lausfrei

Soweit zur Theorie. Da ich mich einige Tage intensiv mit dem Loswerden der lästigen Tierchen beschäftigt habe, möchte ich nun, wieder lausfrei, meine Erfahrungen teilen.
Grundsätzlich gibt es mehrere Arten der Bekämpfung, mit Vor- und Nachteilen:

  • Mechanisch: Läuse und Nissen nur mechanisch, also ausschließlich per Kamm loszuwerden ist theoretisch möglich aber kaum realisierbar. Zu groß ist die Gefahr, ein Ei oder ein Tierchen zu übersehen. Eine rein mechanische lausbekämpfung wird nur bei akribisch genau arbeitenden Erwachsenen und Kindern mit Engelsgeduld, die sich bei stundenlangen, täglichen Kämmorgien stillhalten müssen, möglich sein. Unerlässlich ist der Kamm aber als Mithelfer. Nach der Bekämpfung mit einem Läusemittel können mt dem Kamm tote Nissen, Eier und Tierchen ausgekämmt werden.
  • Chemisch: Viele Insekizide sind starke Gifte. Während mancherorts Läuse resistent werden, sind viele Mittel nicht ungefährlich für Menschen und etwa Nervengifte. Viele Ärzt/innenund Expert/innen raten daher zu:
  • Physikalischen Mitteln. Diese Mitteln verstopfen vermutlich die Tracheen der Tiere, so dass diese ersticken. Diese Mittel bestehen entweder aus Silikonölen oder aus Kokosnussölderivaten. Anerkannte Mittel findet man bei http://www.pediculosis-gesellschaft.de/html/anerkannt.html.
  • Alternative Mittel: Während manche Menschen auf Hausmittel wie Majonäse schwören, beweifeln einige Wissenschaftler/innen deren Wirksamkeit. Hier ein pdf der Umwelberatung mit Alternatvmitteln gegen Kopfläuse.

Wir haben uns für physikalische Mittel entschieden. Das Mittel auf Kokosnussölbasis hat gut geholfen. Um lausfrei zu bleiben, verwenden wir noch Weidenrindenshampoo, die Tochter trägt eine Zopffrisur und die Köpfe werden einmal pro Woche kontrolliert.

Quelle: wikipedia

Quelle: wikipedia

 

 

 

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