China-(Rucksack)Reise – mit Kindern ins Reich der Mitte

große Mauer-privat

Fernweh

Es hat uns wieder mal gepackt- das Fernweh. Die Kleine wollte Pandabub Fu Long besuchen und der Große auf der Mauer stehen. Also haben wir Rucksäcke (für uns Eltern) und Trolleys (für die Kinder) gepackt, den “Lonely Planet” gekauft, Flugtickets besorgt….und sind ab nach China!

…und nachdem mein Blog im August gehackt war (jetzt habe ich wieder vollen Zugang) kommt der Bericht nun.

Ökologisch Reisen- geht das?

Flugreisen sind natürlich so eine Sache. Da wir in der Familie ja sehr bemüht sind, möglichst ökologisch zu leben, passen Flüge (und deren immense CO2-Emmission) eigentlich nicht in unser Leben. Als Kompromiss zwischen Fernweh und dem Verzicht darauf, in fremde, ferne Länder zu reisen haben wir für uns einen Weg in der Mitte gefunden: Wir fliegen bewusst nur jedes 2. Jahr. Städtereisen und Urlaube innerhalb Europas absolvieren wir mit der Bahn. Im Urlaubsort selber bemühen wir uns möglichst ökologisch zu leben, was leider oft an den Gepflogenheiten des Landes scheitert. In China etwa mussten wir wegen der extremen Hitze (35-41Grad) viel trinken. Leitungswasser ist tabu. So produzierten auch wir große Mengen an Plastikmüll, den man aber im Reich der Mitte wenigstens ordentlich entsorgen kann: Müllsammler/innen sammeln die Plastikflaschen und die meisten öffentlichen Mülleimer haben ein Fach für recyclebaren Müll.
Fremdenverkehr kann Orte zerstören. Auf den Kanaren erzählte uns mal ein Makler ganz stolz, wie er ganze Felsen sprengen lassenwürde, um Ferienwohnungen zu bauen. Oder Küsten verbaut werden oder bedrohte Arten wie Meeresschildkröten in die Enge getrieben werden.
Tourismus kann auch Chancen bedeuten- besonders Ökotourismus. Wer in kleinen Herbergen oder Pensionen wohnt, stärkt die lokale Bevölkerung. Ebenso wenn man bei der Gemüseverkäuferin ums Eck oder am lokalen Markt einkauft. Wenn Fremde Nationalparks und Natur besuchen und dafür bezahlen, kann das manche Bereiche vorm Kahlschlag bewahren und aus manchem ehemaligen Wilderer wird dann sogar ein Nationalpark Ranger.

Als Individualtourist/in in China

China selber ist ein für Individualtouristen schwieriges Land. Kaum eine/r versteht Englisch und an die Menschenmassen muss man sich als Europäer/in mal gewöhnen. In China leben 1,34 Milliarden Menschen. Es wuselte also überall: in der verbotenen Stadt, im Sommerpalast, auf der Mauer, in den Bahnhöfen. (Zugtickets muss man 2-3 Tage vor der Fahrt besorgen, sonst bekommt man keinen Platz mehr.)
Die meisten Chinesen, denen wir begegneten, waren sehr freundlich. Viele wollten uns fotografieren und ganz besonders viele junge Frauen wollten sich mit meiner blonden Tochter ablichten lassen.
Leider gibt es ein paar Abzocker, die Touristen betrügen und auf so einen fielen wir rein. Er brachte uns zum falschen Mauerabschnitt und aufgrund des zu absolvierenden Werbeprogramms (man versprach uns eine werbefrei Privattour) hätten wir nur 1,5h auf der Mauer, mehr hielte man bei der Hitze eh nicht aus… Ich erstritt 2h Stunden Zeit auf der Mauer- ich war echt sauer, doch als wir mit 10minütiger Verspätung am Treffpunkt eintrafen, war niemand mehr da. Wir fuhren also per Taxi nach Peking und hatten wenigstens noch viel Zeit auf den kaum besuchten Teilen der Mauer!

Unsere Reiseroute durch China

Unsere Reise führte uns von Shanghai nach Hangzhou zum Westsee, weiter in die Wasserstadt Wuzhen und schließlich nach Peking.
Die Menschenmassen in Peking waren für mich sehr stressig, besonders die Fahrten mit der hochmodernen, schnellen und gut ausgebauten U-Bahn. Wir besuchten in Peking eine Pekingoper, die Hutongs (Altstadt), die verbotene Stadt und den Sommerpalast und natürlich erklommen wir die großeMauer. (wenn auch ein anderes Stück als geplant).
Nach Peking fuhren wir mit dem Nachtzug nach Xi-an. Wir radelten auf der Stadtmauer von Xi-an, bestiegen die 1200 Jahre alte Wildganspagode und bestaunten die Terrakotta Armee.
Anschließend fuhren wir nach Chengdu. In Chengdu befindet sich eine der wichtigsten Panda-Aufzuchtstationen. Wir konnten zwar nicht Fu Long besuchen (der wohnt in einem Reservat), dafür winzige, Pandababies- schwer wie eine Tafel Schokolade-bewundern. In den Wäldern der Provinz Sichuan finden sich auch die letzten frei lebenden Pandas.
Wir machten einen Abstecher nach Lesha, zum größten liegenden und größten sitzenden Budda der Welt (allein die Ohren dieses sitzenden Riesenbuddas sind 7m groß) und stiegen an Bord eines chinesischen Kreuzfahrtschiffes um die berühmten Schluchten des Jangtse zu bestaunen. Der Jangtse ist noch immer gewaltig und atemberaubend schön (besonders die drei kleinen Schluchten.
Mich machte die Kreuzfahrt auch ein wenig traurig. Durch den Mammut-Staudamm wurde der Wasserspiegel um 175 (!) Meter gehoben. Millionen Menschen wurden umgesiedelt, histrische Städte geflutet und von den Schäden für Fische und Klima ganz zu schweigen. Auch muss das Panorama noch viel imposanter gewesen sein. Heute ist der Fluss ein fast stehen Gewässer, früher war er ein Fluss mit starker Strömung, umsäumt von Steilwänden, von denen heute nur noch die Gipfel und oberen Regionen aus dem Wasser ragen.
Nach dem Ausschiffen fuhren wir nach Guilin an den Li Fluss. Hier tat es mir leid, dass nicht mehr Zeit hatten. Der Li Fluss ist so unglaublich schön und man sieht noch die Fischer auf ihren wackeligen Flossen die mit Kormoranen Fische fangen.
Wir flogen noch auf die Insel Hainan, deren Tropenwälder ich gerne näher erforscht hätte und badeten in der rauen Brandung, die auch Surfer anzieht.

Bleibende Eindücke aus China

China ist ein faszinierendes Land, voller Gegensätze. Hochmodern und dennoch ländlich primitiv. Mit einer jahrtausend alten Geschichte. Der Smog in den Städten lädt nicht zum länge verweilen ein, dennoch sind die Straßen sauber und wird der Müll brav getrennt. Und es ist ein sicheres land. Vor jeder Bahnfahrt, Busfahrt oder auch nur vor Betreten eines Bahnhofs bzw. bei wichtigen Sehenswüürdigkeiten sind Sicherheitschecks. Koffer und Personen werden gescannt und untersucht. Die Chines/innen fügen sich ohne zu Murren diesen steten Überwachungen (für uns sehr ungewohnt) und schieben sämtliche Taschen durch die Scanner und müssen sich dann noch selber checken lassen. Ich bin nur froh, dass ich nicht schwanger bin, sonst hätte ich aufgrund der permanenten Strahlenbelastung Angst um das Ungeborene.
China ist wunderschön und interessant und seine Bewohner/innen hilfsbereit und freundlich. Dennoch bin ich froh, in Österreich und nicht in China zu leben, die nicht behobenen Umweltprobleme (Luftverschmutzung, Wasserverschmutzung-30% der Abwässer gelangen ungereinigt in die Flüsse, darunter tragischerweise viele hochgiftige Industrieabwässer), die permantente Überwachung durh den Staat und die in den Städten begreifbare Überbevölkerung sind Stressfaktoren, mit denen das chinesische Volk umzugehen gelernt hat, ich als Europäerin bin allerdings froh, saubere Luft atmen zu dürfen, reines Wasser trinken zu dürfen und sagen (und schreiben) zu dürfen, was ich mir denke!

 

One comment

  • Hallo Silke,

    toller Bericht! Besonders gut gefallen mir die tollen Bilder aus China. Ich versuche auch darauf zu achten, nicht jeden Urlaub mit dem Flugzeug zu verreisen. Aber nach China bleibt einem keine andere Möglichkeit als der Flieger…

    LG
    Laura

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