Ist Mode böse?

Wie böse ist Mode

Unlängst sass ich mit meiner Tochter in der Schnellbahn am Weg zu einem Grillfest. Mit im Abteil ein ehemaliger Studienkollege.
Wir unterhielten uns über alles Mögliche und kamen auf das Thema Mode. Der Bekannte wurde bei dem Thema fast böse und empörte sich über Mode.

Viele Gesichter der Mode

Mode gibt es für alle Altersstufen. Als meine Kleine in den Kindergarten kam, freundete sie sich rasch mit ein paar Mädels an, deren Dresscode „Kleid und Rosa“ lautete. Fast 2 Jahre lang ging sie am liebsten in Prinzessinnenkleider in den Kindergarten bzw. zog sich in der Gardarobe um. Wir hatten damals sogar die Problematik Lippenstift oder nicht. Ein Streitthema, welches ich frühestens in der Pubertät erwartete. Mittlerweile hat meine Tochter ihr eigentliches Ich gefunden, zieht Hosen Kleidern vor und die Farbe Rosa ruft Würgereiz bei ihr hervor und ist vollends uncool. Zumindest solange im Freundeskreis der Modekodex locker, unkompliziert und burschikos bleibt und sie sich nicht wieder zu Prizessinnenkleidern genötigt fühlt, um dazu zu gehören (oder sie ist dann stark genug, zu ihrer Linie zu stehen).

Uniformen des Alltags

Ist Mode an sich böse oder nur das, was aus ihr gemacht wird? Immer wieder wird da und dort der Ruf nach Schuluniformen laut und genauso laut hallt der entsetzte Schrei der Gegner/innen zurück. Individualisierung ist wichtig. Und immer wieder beobachte ich, dass sich Jugendliche auch ohne Schuluniform(en) quasi selbt uniformieren. Beobachte ich Cliques stelle ich immer fest, dass Freund/innen oft sehr ähnlich gekleidet sind. Und auch starke regionale Einfärbungen fallen mir auf. Schlendere ich durch die Döblinger Hauptstrasse, begegne ich zumeist anders gekleideten Kids als in der Brigittenau oder in Ottakring. Migrant/innen haben oft ihren eigenen Kodex wie auch diverse Gangs und Subkulturen. Natürlich gibt es auch die, die anders sind. Bewußt oder weil etwa das Geld für die teuren Klamotten fehlt. Oer weil man sich einer anderen „Schicht“ zugehörig fühlt oder dazugehören will. Die „Uniformierung“ gibt vielen Jugendlichen Sicherheit. Dazugehörigkeit. Problematisch wird es spätestens dann, wenn andere Jugendliche Kids verspotten, weil sie sich nicht an die Normen halten. Das „falsche“ Leiberl erwischen und deshalb verspottet werden. Schlimm auch, wenn Kinder gehänselt werden, nur weil sich die Eltern etwa teure Markenkleidung nicht leisten können oder Eltern über ihre Grenzen gehen, nur um den Sprößlingen Hilfiger und co zu ermöglichen.
Soweit zur einen Seite der Mode. Zur Seite der Träger/innen, die mit der Mode ihre Persönlichkeit unterstreichen wollen, ihre Zugehörigkeit signalisieren oder auch einfach mitteilen wollen: „Mir ist wurscht, was ich anhab, hauptsache ich hab was an…“ Auch das ist Ausdruck persönlicher Modevorstellung.

Die Schattenseiten der Mode

Was aber ist mit der anderen Seite? Ich spreche hier nicht von den Designer/innen. Denen geht es oft überurchschnittlich gut und weder Frau Karan noch Herr Persson von H&M müssen am Hungertuch nagen. Aber die Näher/innen, Färber/innen, Wäscher/innen in den Fabriken in Bangladesch, China und der Türkei. Unterbezahlt, unter schlechten Arbeitsbedingungen vegetieren sie mit ihren Familien dahin, eine perspektivenlose Zukunft vor Augen müssen sie zu Billigstlöhnen hackeln, damit unsereins sich jede Woche ein neues (Billig-) T-Shirt leisten kann. Wobei…eigentlich ist das fast egal, denn den Fertigern von Markenartikeln, Arbeiter/innen im Dienste von Adidas, Donna Karan, Diesel oder Nike geht es nicht besser als jenen von H&M oder von C&A, kommen die Kleider ja oft aus den selben Fabriken.

Was können wir tun?

Was können wir dagegen tun? Keine Kleider mehr kaufen? Manche Firmen völlig boykottieren? Bloß nicht, so  der oft zitierte Aufschrei der Näher/innen, deren am seidenen Faden hängende Existenx dennoch von diesen Jobs abhängt. Aber informieren. Sich über saubere Kleidung informieren, sauberer Kleidung den Vorrang geben und Kampagnen unterstützen, die Missstände aufdecken. Nichts stört Firmen mehr, als wenn ihr sauberes Image angekratzt wird. Und um wieder sauber da zu stehen wird dann halt doch auch in soziale Proejekte investiert, was dann den Arbeiter/innen zugute kommt.
Sie finden hier den clean clothes Firmen Check: http://www.cleanclothes.at/de/firmen-check/

Info zu Fair trade Kleidung: http://www.fair-trade-kleidung.com/

Infos zu Fair trade: http://www.fairtrade.at/ueber-fairtrade/

Infos über Chemie in der Kleidung: https://www.global2000.at/sites/global/files/import/content/Plastic_Planet/10_G2-PLASTIK-themenbroschuere_web.pdf_me/10_G2-PLASTIK-themenbroschuere_web.pdf

Infos über Chemie in der KleidungII: http://www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/giftfreie_mode_ist_am_guetesiegel_zu_erkennen/

Man kann den schlimmen Nebenwirkungen von Mode leider kaum entgehen, aber man kann sie mildern.

Tipps für fairen Einkauf:

  • Sich über Marken informieren und  transparenteren, fairereren Marken den Vorzug geben, wo es geht
  • Massenkonsum hat immer vielen Nachteile, lieber wenige schöne Stücke kaufen als den Kasten vollramschen mit lauter Dingen, die bald im Sammelcontainer landen
  • Mit Freundinnen tauschen oder mal Second hand shoppen, so wird Mode länger getragen
  • auf Qualität achten; wenn man weiß, welche Chemikalien oft in Kleidern stecken, würde man sie gar niccht mehr anziehen wollen  (siehe Greecpeace Artikel giftfreie_mode_ist_am_guetesiegel_zu_erkennen/)

Ein vernünftiger und nachhaltiger Umgang mit Mode

Ich denke, mit Mode ist es wie mit anderen Konsumgütern. Wir haben uns leider daran gewöhnt, sollten aber kritisch damit umgehen. Nachhaltig einkaufen, wo immer es geht. Nachhaltige Mode is etwa solche, wo Arbeiter/innen nicht ausgebeutet werden, wo nicht verbotene Chemikalien unzulässigerweise in Flüsse geschwemmt werden und Menschen und Fische und andere Tiere und Pflanzen in China und über den ersten Waschgang auch im Heimatland vergiften (und durchs Tragen auch uns selber).

Wer nachhaltig handelt ermöglicht es auch seinen Kindern, Enkeln und Urenkeln och ein lebenswertes, menschenwürdiges Leben führen zu können. Vielleicht ist es in der undurchsichtigen Mode (wie auch Tchnik usw.) Branche nicht immer möglich, 100% nachhaltig zu handeln und zu konsumieren. Ein kritischer Blick aufs Etikett ist aber schon mal der erste Schritt…

Mein Fazt ist: Mode ist nicht böse, solange sie nicht mißbraucht wird. Mode wird erst dann böse, wenn man sie übertreibt  oder Böses daraus macht. Wenn man Menschen ausbeutet oder die Umwelt zerstört.

Wenn wir kritisch denken und handeln, uns nicht zu Sklaven von Konsum, Industrie und Mode machen lassen, Herz und Hirn beim Einkauf einsetzen, dann hat Mode durchaus positive Seiten und kann unsere Persönlichkeit unterstreichen.

mode-643002_web_R_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de

Holzschuhmode
Rainer Sturm, pixelio

Ein paar Filme zum Thema

http://www.youtube.com/watch?v=Cd2pze9YRys

http://www.youtube.com/watch?v=ADQONGyY2OA

http://www.youtube.com/watch?v=djXkFedpTrE

http://www.youtube.com/watch?v=wAPWkFblzGg

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