Ökologisch vernetzt denken

Vegan aus Tierschutzgründen?Rotaugenfrosch Quelle: privat

Neulich saßen wir am Tisch und aßen Abendbrot. Am Tisch stand eine Packung Diätbutter die ich gekauft hatte, weil ich sie für biochemische Analysen mit meinen Schülerinnen und Schülern benötigte. Mein Großer hielt diese Butter für Margarine, blickte mich etwas konsterniert an und meinte nach einer längeren Denkpause: „Naja, weißt Du Mama, wenn Menschen immer vegan essen und Margarine aus Palmfett verwenden töten sie mehr Tiere als wenn sie Butter essen!“

Nun war ich etwas irritiert, einen solchen Satz aus dem Mund meines 10jährigen zu hören. „Woher hast Du das?“ fragte ich ihn, worauf mir mein Filius erklärte, er hätte in der Zeitung gelesen, dass für Palmölplantagen Regenwälder gerodet werden.“Im Regenwald leben ja viele Tiere, Affen, Vögel und so. Wenn die Bäume gefällt werden, müssen diese Tiere sterben weil für sie kein Platz mehr ist.“ mischte sich nun die Kleine ein, die unser Gespräch mit an gehört hatte.

Was bedeutet ökologisch denken?

Um auf das Gespräch mit meinen Kindern zurückzukehren. Ich möchte nun keinem Veganer und keiner Veganerin unterstellen, ihre Lebensweise sei Schuld am Aus vieler tropischer Wälder. Im Gegenteil, gerade Menschen, die vegetarisch oder vegan leben, praktizieren sehr oft eine ökologische Lebensweise. Dennoch kann auch hier- wie in den meisten Lebenslagen, falsch gemeinter gute Wille, etwa keine Milch von Kühen verwenden zu wollen, weil diese ja in Gefangenschaft leben, unter Umständen größeren Schaden anrichten, wenn man sich über die Alternativen nicht informiert. Ökologisch denken bedeutet vernetzt zu denken. Kein Organismus in der Biosphäre steht für sich alleine.  Weder Tiere, noch Pflanzen, noch scheinbar bedeutungslose Lebewesen wie Bakterien, Pilze und Einzeller. Biotische Faktoren (tierisches oder pflanzliches Futter für Tiere etwa) und  abiotische Faktoren (z.B. Meeresströmungen) sind ineinander verzahnt. Man könnte sich die lebende Welt wie eine Kette oder besser wie ein Netzwerk von Zahnrädern vorstellen. Und wenn auch nur ein klitzekleines Zahnrad fehlt, dann…Sie wissen sicher was dann passiert; dann steht das ganze „Werk“ still.

Genau so ist es auch in der Natur. Tiere und Pflanzen sind voneinander abhängig und diese Abhängigkeiten sind so kompliziert miteinander verwebt, dass selbst die weltbesten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch nicht alles  dechiffriert haben.

Leider denken viele Menschen linear oder nur minimal vernetzt. Besonders wirtschaftliches Denken ist meist ausschließlich gewinnorientiert und nicht nachhaltig oder soziale und ökologische Faktoren integrierend.

Dennoch wünsche ich mir von Wirtschaft und Welt, von den Menschen, die an wichtigen Positionen sitzen, dass sie zumindest  einen Hauch des ökologischen Verständnisses und der vernetzend denkenden Gabe meines 10jährigen Sohnes und meiner 7jähren Tochter haben!

Regenwald von Costa Rica, Quelle: privat

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