Schifoan

„Maamaaa! Machen wir heuer wieder einen Schikurs? Biiiettee!“ bat mein Sohn Paul mit Nachdruck.

Ich zögerte mit der Antwort. Ich wollte ihn nicht enttäuschen, aber ohne Auto, und finanziell nicht in der Lage mir ein Top-Hotel am Fuße irgendeines Berges leisten zu können? Wann und wo sollen die Kinder da Schifahren gehen?

Ich habe mir auch überlegt, überhaupt noch Schiurlaub zu machen. Letztes jahr waren wir im Sommer auf einem Bergbauernhof urlauben. Ich wollte den Kindern eine schöne Alm zeigen.

Fatalerweise folgten wir dem Tipp in der Touristen-Zeitung: Mit der Seilbahn rauf und auf 2000m Höhe wandern gehen. Es drohte ein Gewitter am Nachmittag. Die Infrastruktur (Lifthaus am Berg, die Möglichkeit im Notfall schnell runter zu kommen) und die Lobpreisungen in der erwähnten Zeitung ließen uns per Gondel rauffahren. Und oben? Anstatt meinen Kindern ein Naturerlebnis bieten zu können, anstelle ihnen schöne Almen mit friedlich weidenden Kühen zeigen zu können mußte ich ihnen die Auswirkungen des Fun-Tourismus vor Augen führen:

Breite Schotterstrassen, zerschnittene Almwiesen mit tiefen Spuren von Geländefahrzeugen, Liftsäulen wohin das Auge blickte und Mountainbiker, die sich freuten, ohne anstrengenden Anstieg sich todesmutig runterstürzen zu können-natürlich auf komfortabel-breiten Wegen.

Ich habe mich gefragt, warum immer neue Pisten und Lifte gebaut werden müssen, wo doch schon die alten und vorhandenen die Landschaft zur Genüge zerpflügen. Und habe mir geschworen, nur noch kleine Schigebiete zu besuchen, die nicht damit prahlen, jedes jahr mehr Abfahrts-Kilometer zur Verfügung zu stellen und jedes Jahr neue Lifte zu bauen. Als Konsument ist man Teil des Systems und man kann Entwicklungen fördern- oder ihnen entgegensteuern. Kleine Schigebiete haben zudem den Vorteil, dass sie weniger stark besucht sind. Ich habe den Eindruck, dass vor allem Pistenrowdies imageträchtige Gebiete bevorzugen, wo sie dann ihre neuen Schier oder das Snowboard und den neuen Schianzug vorführen können. Und auch ihr Können- oder -brandgefährlich- ihr selbstüberschätztes (Nicht-)Können.

Naja, heuer stand ich dann vor der Frage, wie den Kindern den Schikurs überaupt ermöglichen? Dann stieß ich auf ein tolles Angebot: Ein Schikurs auf Wiener- Stadtgebiet! Erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmittel! Der Winter war gerettet!

Seit Mitte der Woche  pendeln wir nun täglich per S45 und Postbus 249 zur Hohen Wand-Wiese- und abends wieder retour. Mangels an Unterstellmöglichkeiten für das Equipment, trage ich dabei einen prall gefüllten Tramper-Rucksack mit Schiern, Helmen und Schischuhen auf meinem Rücken.

So komme auch ich zu meinem Training, auch wenn ich auf der Hohen Wand noch nicht  Schi fahren war (meine eigenen Schi mag ich nicht auch noch anschleppen müssen): Ich werde mit super-starken Rückenmuskeln aus der Schiwoche gehen!

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