Polen per Zug mit Kids und co

 Fernweh

Alljährlich packt es uns, das Fernweh, das Reisefieber. Aber um in Übersee-Destinationen zu gelangen, ist der Flug leider unumgänglich. Würden wir per Schiff in die Karibik, Asien oder Afrika reisen, würde der Urlaub schon in der Fahrzeit verbraucht sein. Klar, der Weg ist das Ziel, sagte schon Konfuzius, dennoch hat leider keiner von uns so lange Urlaub, dass sich eine dermaßen monatelange Reise ausgehen  würde. So haben wir eigentlich nach jeder Flugreise, auch wenn wir „ökologische“ Ziele wählen, nicht in „Bettenburgen“ hausen sondern bevorzugt den lokalen Tourismus stärken, Nationalparke besuchen und vor Ort fast nur öffentlich reisen  usw. ein schlechtes Gewissen. Immerhin laden wir bei jeder Reise einen großen CO2 Rucksack auf. Um unseren ökologischen Fußabdruck also klein zu halten haben wir beschlossen, nur jedes zweite Jahr zu fliegen und Destinationen  die per Zug erreichbar sind auch so zu bereisen.

Beim Auswählen der passenden Zugverbindung muss ich mich allerdings immer ärgern. Ich verstehe echt nicht, warum Fliegen mittlerweile billiger ist als der Zug. Will man bequem von A nach B eignet sich ehrlich gut der Schlafzug. Man steigt in Wien ein und gut ausgeruht in Paris oder Berlin oder (so wie wir heuer) in Warschau aus. Solange aber Fliegen billiger ist und viel kürzer dauert (und Zeit ist bekanntlich auch Geld, besonders in unserer schnelllebigen Welt) werden wohl die meisten fliegen.

Mit dem Zug nach Polen

Wie auch immer, wir beschlossen heuer ökologisch zu urlauben, wählten ein Ziel in Europa und fuhren ins uns eigentlich völlig unbekannte Polen. Gemütlich im Nachtzug von Wien nach Warschau.

Warschau

Warschau ist eine geschichtlich sehr interessante Stadt. Im 2. Weltkrieg fast völlig zerstört und wieder aufgebaut spürt man an manchen Plätzen den Schauer dieser  schlimmen und dunklen Zeit. Etwa im ehemaligen Ghetto, wo Denkmäler an die Verfolgungen von Juden, Roma, Sinti und auch Polen durch die Truppen und Soldaten des 3. Reichs erinnern. Die mittelalterliche Altstadt selbst ist UNESCO Weltkulturerbe und wirklich sehenswert- vor allem wenn man so wir Glück hat und bei prächtigstem Wetter die Stadt besichtigt.

Bialowieza

Von Warschau fuhren wir nach Bialowieza an der Grenze zu Weißrussland, dem letzen Tieflandurwald Europas, Heimat seltener oder sonst gar ausgestorbener Tiere wie Wiesente (europäische Bisons), Elche, Luchse, Wölfe. Die letzte Teilstrecke fuhren wir mit dem Bus und nach wenigen Kilometern begannen wir nicht wenig zu staunen: Störche in jedem Dorf an vielen Schornsteinen und zahllosen Strommasten.

Das Naturerlebnis ging weiter im Nationalparkdorf. Auch dort gab es wieder viele Störche, Feuchtwiesen, Tümpel und Teiche mit Fröschen und Libellen. Höhepunkte waren eine Kutschenfahrt, eine Besichtigung des lokalen Tiergartens, wo man die Tiere des Nationalparks bestaunen kann (Wiesente sind so scheu, dass man sie sonst kaum zu Gesicht bekommen wird) sowie eine geführte Wanderung durch das Kerngebiet des Nationalparks- eine Reise in eine längst vergangene Zeit, vorbei an uralten Buchen, Eichen und Fichten, Bergulmen und Erlenbruchwäldern.

Auf den Wiesen in den Randzonen tummelten sich Störche um Frösche und Kröten zu jagen und die Luft war erfüllt vom Summen der Wildbienen (und leider auch der Gelsen).

Ostsee

Nach diesen Naturerlebnissen führte uns die Reise weiter an die Ostsee. Wir machten Halt in Leba, wo man sich auf wandernden, meterhohen Sanddünen wie mitten in der Wüste fühlt. Auch hier findet man eine wunderschöne Gegend, naturnahe Wälder und mit Glück sogar Robben am Strand (die wir leider nicht fanden).

An der Ostsee, im kleinen Badeort Sobot  vermieste uns leider eine Algenblüte das Schwimmen in der eiskalten See. Wir machten Halt in Danzig, eine wunderschöne, wieder aufgebaute Stadt, wo wir gar mit einem Piratenschiff fuhren durften! Enge Gässchen, mittelalterliche Häuser und gotische Kirchen machen diese Hansestadt zu einem Erlebnis.

Krakau

Letzte Station unseres Polen-Trips war Krakau, eine der wenigen Städte, die nicht im 2. Weltkrieg zerstört wurden. Natürlich ist auch die Altstadt von Krakau einzigartig und sehenswert! Besonders sehenswert empfanden wir hier jedochndie riesige, wunderschöne Burg.

Hinter der Burg, nach Passieren einer alten Tropfsteilhöhle (der “ehemaligen Drachenhöhle”) findet man die feuerspeiende Statue eines Drachen. Selbstverständlich gibt es zu diesem “Waweldrachen” auch eine Legende.

Von Krakau ging es wieder gemütlich im Nachtzug nachhause. Die in Krakau gekauften Heidelbeeren erfüllten das Abteil mit süßem Duft und im Andenken an unsere Erlebnisse und Eindrücke unserer Reise schlummerten wir mit schönen Träumen bis Wien.

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